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Wieder an Bord

Um es gleich vorweg zu sagen. Ich bin nicht gut drauf, wirklich gar nicht gut darauf. Also macht lieber einen Bogen um diesen Artikel, ihr könntet sonst enttäuscht sein. Ich bin selten grantig, aber wenn, dann richtig.

Bei der Arbeit, bitte nicht stören

Schauen wir uns zunächst die positiven Dinge an: Die letzten 3 Monate waren wirklich schwierig und sehr belastend für uns alle, insbesondere natürlich für Angela, die das aber wirklich fabelhaft gemeistert hat. Sie ist endlich zurück an Bord und es geht viel besser als gedacht. Schon nach 2 Wochen sind ihre Bewegungen wieder ganz flüssig. Schritte und Griffe sitzen meist sicher. Ins Dinghi kommt sie problemlos, aber wenn das Boot schneller wird und ins Gleiten kommt und dabei auch nur leicht auf die Wellen schlägt, will sie stehen und die Schläge mit den Knien abfangen. (Foto folgt) Die Ängste vor Schmerzen, Abenteuer, körperlicher Belastung und Segeln sitzen immer noch tief. Schafft sie es, wieder aktiv zu segeln? Noch liegen wir vor Anker in St. Anne in Martinique und gewöhnen uns wieder an das Blauwasserleben, die Hitze und aneinander. Aber sobald der Wind wieder von Südost auf Ost dreht, werden wir den ersten Schlag gen Süden nach St. Lucia angehen.

St Anne Martinique

Ich habe das Schiff in den 4 Wochen, in denen ich alleine an Bord war, in einigen Punkten und Abläufen überholt und verbessert. Fast alles ist jetzt so eingestellt, dass ich es allein ohne Angela machen kann. Aber so ganz recht ist ihr das nun auch wieder nicht, denn jetzt muss sie ja nichts mehr tun, wenn z.B. der Außenbordmotor weggefiert und auf das Dinghi gesetzt wird.

Sie: „Und was soll ich jetzt dabei machen?“
Er: „Naja, ich habe es so eingestellt, dass ich das auch hinbekommen, wenn du nicht mithilfst. Denn es sah ja so aus, dass du diese schweren Arbeiten für einige Zeit vermutlich nicht machen können wirst.“
Sie: „Ja, aber ich kann es ja doch.“
Er: „Das ist toll, aber das wusste ich ja nicht und musste doch auf den schlimmsten Fall vorbereitet sein.“
Sie: „Du machst das jetzt aber alleine fast schneller, als wenn wir es zu zweit machen. Stehe ich dir im Wege?“
Er: „Keinesfalls, komm, wir machen das wie früher.“
Sie: „Das macht jetzt aber wirklich keinen Sinn…“

Natürlich habe ich auch das eine oder andere Ersatzteil hinzugekauft, andere Ersatzteile verwendet und von den Vorräten gegessen, so dass Angela behauptet, in den Schränken und in den von ihr penibel eingeräumten großen Kisten unter den Salonsofas nichts mehr finden zu können. Dabei habe ich in den letzten 4 Wochen nur mein eigenes Ordnungssystem angewendet. Zugegebenermaßen entspricht das nicht immer Angelas hohen Anforderungen. Und zweifellos sind Frau und Mann nicht nur in ihren Ordnungssystemen ohnehin verschieden.

Schiff mit neuer Rollfockanlage für die Sturmfock – eine Investition für unsere Sicherheit

Wir sind dabei, uns nach den 3 Monaten in zwei getrennten Welten wieder zusammenzuraufen. Inzwischen können wir auch schon wieder darüber lachen, wenn wir versuchen festzustellen, ob etwas alleine oder zu zweit schneller geht. Und für die langen Sommermonate haben wir uns vorgenommen, zusammen alles noch einmal ordentlich einzuräumen, damit Angela mir wieder auf den Zentimeter genau sagen kann, wo etwas ist. Und beim abendlichen Sundowner mit Blick auf das weite Meer, die Berge im Hintergrund und unsere Wasserschildkröte, die immer wieder einmal den Kopf zum Atmen über die Wasseroberfläche streckt, ist die Welt sowieso wieder in Ordnung.

Nervenaufreibend ist, dass die Dinge hier schneller kaputt gehen, als ich schauen und nachfassen kann. UV Strahlung und Wärme und Luftfeuchtigkeit killen so ziemlich alles. Das alles schafft eine emotional explosionsgefährliche Situation, wo ich beginne, gewisse Dinge kritisch zu hinterfragen:

Hallo Reha-Klinik: Ihr habt Fantastisches für Angela geleistet. Aber mal ehrlich, wie schaut es mit der Psyche des Menschen aus? Besteht der Mensch nur aus Haut, Knochen und Sehnen? Wie wäre es mit etwas mehr psychischer Betreuung gewesen, sozusagen Software Wartung. Ein Mensch, der 5 Wochen mit Schmerzen und Angst im der BG Klinik in Murnau lag, der muss doch auch von der Psyche wieder aufgebaut werden, oder nicht? Und müsst ihr in euren Wurstsalat unbedingt einen Norovirus reinmischen, nur um es noch etwas schwieriger zu machen? Nein, wirklich, das finde ich nicht gut.

Hallo Gendarmerie, Zoll und Grenzschutz von Martinique: Ihr seid doch sonst auch die ganze Zeit mit euren Schnellbooten unterwegs. Wo wart ihr Ende Februar in den Nächten, wo unsere beiden Außenbordmotoren gestohlen wurde? Piratenschnellboote, die von St. Lucia kommen, fallen auf dem Radar auf. Das sind dann ganz kleine, sehr schnelle Punkte auf dem Radarbildschirm. Das kann jeder Jugendliche bei Computerspielen schon erkennen und abschießen. Könnte ihr das auch?

Hallo Piraten von St.Lucia: Könnt ihr vielleicht bleiben, wo ihr hingehört, anstatt unsere Außenbordmotoren in Martinique zu stehlen? Jetzt habe ich einen neuen Yamaha Motor, Zweitakter, ganz was Robustes und Schnelles. Für den habe ich jetzt ein Versteck an Bord, so kann er nicht mehr gestohlen werden!

Meine lieben Damen der Schiffswerft Carenantilles in Le Marin: Bezahlt ihr Euren Nachtwächter fürs Schlafen oder Aufpassen? Mal ehrlich, ich habe den Typ nachts nur pennen sehen. Wenn bei euch bis jetzt nichts weggekommen ist, dann war das purer Zufall, nicht aber weil ihr ein Videosystem und Wachschutz habt. Ok, ihr habt mir wenigsten für den zweiten Monat keine Liegegebühren verrechnet. Immerhin ein Zeichen der Reue.

Rigger: Ist ja ein tolles Rigg auf unserer Contest, was schon nach 14 Jahren kaputt geht. Das Schiff hat gerademal so 12000 sm und das Rigg soll mindestens 20000sm halten und 15 Jahre halten. 2 Frakturen in den Wantenterminals haben sich beim Umbau gezeigt. Und überhaupt: Wie wäre es mit STANDARDS im Riggbau? Die Reparatur unseres Riggs hat 4 Wochen benötigt, weil wirklich fast jedes Teil vom Rigg eine Spezialität war, was aus USA, Frankreich oder England bestellt werden musste. Andere Blauwasseryachten neben mir hatten in 3 Tagen ein neues Rigg! Ich brauchte 4 Wochen.

2 Mann im Mast – Arbeit auf Hochtouren
Terminalbeschlag vom Masttop – deutliche Fraktur, wenn dieser Terminal bricht kommt der Mast runter….
Verfun3 Mann um das Vorstag einzubauen. Die Teile sind massiv und schwer

Und an die Adresse der Klebstoffhersteller, die den Verfugungkleber für das Teakdeck unserer Contest geliefert haben: Was für ein Pfusch ist das denn? Warum löst sich eure Fugenmassen nach 14 Jahren und der UV Strahlung und Hitze schon zu Beginn des karibischen Sommers auf? Das ist dann ein schwarzes klebriges Zeug, was von nichts mehr weggeht. Muss ich jetzt das ganze Teakdeck erneuern lassen, nur weil eure Fugenmasse nichts taugt?

Rauskratzen der klebrigen Fugenmasse. Das Teakdeck hat die Temperatur einer heißen Herdplatte zu diesem Zeitpunkt
Tom, der Schreiner für das Teakdeck mit seinem orginellen Dinghi

Hallo Hersteller von Pumpen für Schiffe: Ich stecke euch alle in einen Sack. Baut ihr Zeitbomben in eure Pumpen, damit diese nach 13-14 Jahren alle, aber wirklich alle kaputtgehen. Dann sagt es doch gleich, dann baue ich die letzte Pumpe meiner 6 Wasserpumpen auch noch aus, weil sie wahrscheinlich auch bald verreckt. Die anderen habe ich schon austauschen müssen. Ist das Qualität?

Und nochmal ganz speziell an den Schiffstoilettenhersteller: Ich habe jetzt die Nase voll von euren Elektrotoiletten, miserablen und sauteuren Dichtungen sowie der völlig unzureichenden Bedienungsleitung. Nach der 5. Reparatur habe ich das Zeug jetzt rausgeschmissen und neu gemacht. Immerhin gut, dass bei Euch auch alte Teile mit den neuen Teilen zusammenpasst. Wahrscheinlich wisst ihr schon oder macht es so, dass das Eure Teile so schnell kaputt gehen. Muss ja ein florierendes Ersatzteilgeschäft sein.

So Generatorhersteller mit dem Panda Bären, herhören, denn bin ich bin richtig sauer: Meisterwerke der Technik, Eure Generatoren! Aber die Worte Eurer Bedienungsanleitung werden erst im Betrieb mit wirklich blühenden Leben gefüllt: Da steht übersetzt, wörtlich ganz klein, so zwischendurch erwähnt (eine deutsche Bedienungsanleitung für diese sehr teuren Aggregate braucht man ja nicht):  Aufgrund der hohen Temperaturen des Generators in der Schallkapselung des Motors ist mit einem erhöhten Verschleiß von einer Vielzahl von Teilen zu rechnen. Insofern empfiehlt sich, von Keilriemen, Impeller und anderen Teilen stets einen reichlichen Ersatzvorrat mitzuführen.

Ok, Denkpause…..

Das bedeutet, das Zeug verreckt schneller als du schauen kannst. Das kann ich bestätigen. Und hinsichtlich der Wartung, wie schlecht kann man denn solche Aggregate konstruieren. Ich muss mir erst mal alle Finger brechen, um an die kritischen Stellen zu kommen. Der menschliche Finger kann sich nicht zweimal 90 Grad in unterschiedliche Richtungen in verbiegen. Ganz sicher, ich habe das geprüft. Das ist aber nötig, um diese Reparaturen durchzuführen. Vielleicht könntet ihr auch eine bessere Wärmeabfuhr in eure Maschinen einbauen, damit ich nicht alle Nase lang das Teil reparieren muss. Immerhin, Eure englische Bedienungs- und Wartungsanleitung (ein dicker DIN4 Ordner) ist wirklich Best-in-Class.  Offensichtlich wisst ihr, dass jeder Skipper ohne diese Anleitung eine arme Sau ist und auf seinen Generator verzichten muss und dann Stress mit seiner Frau hat, weil kein Strom da ist, um die Waschmaschine zu bedienen.

An den blauen Hersteller von Elektroladegeräten: Ist wirklich High-Tech euer “Phönix Multi”. Das ist ein Laderechner 1.Klasse. Aber, ich bin noch nicht sicher, kann es sein, dass diesem Teil bei 40 Grad Betriebstemperatur die Luft ausgeht und er abschaltet? Baut ihr eure Ladegeräte nur für klimatisierte Räume oder für Schiffe? Brauche ich jetzt eine Klimanlage auch in meiner Elektrokammer nur das diese Ding funktioniert?

Ich bin gerade nicht gut darauf und vermutlich im Widerspruch mit meiner Realität. Aber alles ist genauso, wie ich schreibe. Im Gegenteil, viele Dinge habe ich sogar weggelassen, weil es sonst persönlich wird. Ich frage jetzt alle Dienstleister und Hersteller von Yachtzubehör, könntet ihr mal bitte an eure Kunden denken und vor allem die Blauwassersegler. Ich meine, das sind doch arme Schweine. Die sitzen in der Hitze in der stechenden Äquatorsonne und müssen ständig an euren Produkten reparieren. Die finden das alle gar nicht gut. Anscheinend taugen die Produkte für die Zone hier nicht. Dann schreibt es doch drauf: Nicht geeignet oder nur beschränkt geeignet für Blauwassersegeln.  Ich persönlich habe es satt, stets mangelhafte Produkte zu reparieren. Ich frage Euch allen Ernstes, ist unsere Industriegesellschaft, die heute fantastische Leistungen erbringt, in der Lage Produkte herzustellen, die UV Strahlung und Feuchtigkeit von 85% und Wärme zwischen bis 40 Grad aushalten? Wenn ja, dann tut es doch bitte und denkt an die armen Blauwassersegler, eure Kunden, die schon deswegen arm sind, weil sie eure teuren Produkte kaufen müssen.

So ich habe fertig…..

Wohin geht es nun? Unsere Segelpläne für 2019 haben sich nicht realisiert.  Wir müssen jetzt erst einmal den Sommer mit dem Risiko der Tropischen Stürme und Hurrikans überstehen. Als nächstes geht es in den Süden nach Grenada, wo viele Yachties immer wieder die Hurrikansaison verbringen. Das ist zwar immer noch am Rand der von unserer Versicherung nicht abgedeckten Zone, aber wir haben Fluchtoptionen. Davon später mehr.

For our English friends and followers, a summary as follows:

Angela is back on board here in St. Anne in Martinique and things do work much better than expected. She moves quite safely on board. Only in the dinghy with waves she feels same pain and is a bit unsecure.

During the 4 weeks when I was alone in the boat, I reworked many things so that I can handle things by myself and do not need Angela necessarily when she cannot do it. This is good and not so good, because Angela wonders sometimes what her job now is. Also, I changed storage in our spare parts box, which was Angela´s domain. She was not so much amused about it, as we do apply different logics when storing things. We need to come together again from living 3 months in totally different worlds. During the summer months we will have the time for it.

At present I am not in a good mood at all. Things in the boat fail faster than you can say Jack Robinson. I do challenge the suppliers in my article. Heat, humidity and UV radiation kills everything. Are these suppliers not able to build more sustainable products for bluewater crusing. Glue of the teak deck gets sticky, pumps fail, the generator requires much attention with lots of maintenance and is difficult to require being built in such a compact way, and many others things. I am really not amused at all.

The rig is replaced which was a good choice, because also the top terminal of one wire showed a friction. It would have broken in the next strong wind and then the mast would have come down for sure. The effort to replace the rig took four weeks due to the very special parts which needed to ordered from Europe. Other boats do in 3 days due to standard wires and terminals.

We will now sail to Grenada for the summer months. From there we do have several escape paths in case of tropical storms. But more about this later.

Bis bald und Cheers

c.

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3 replies »

  1. Hallo,
    ich bin zwar kein Segler, habe aber Ahnung von Teilen die halten und funktionieren müssen, auch oder gerade unter erschwerten Bedingungen (Für die Fahrzeuge, welche die Firma für die ich arbeite herstellt, gelten z.B. Aussen-Betriebstemperatur-Anforderungen von -60 bis +60 Grad C.

    Ich Empfehle, so weit möglich, Teile / Ersatzteile zu verwenden die eine VG Nr. (Verteidigungsgerätenorm für wehrtechnische Geräte und Systeme. zum Einsatz bei der Bundeswehr, Bundesheer, NATO etc. oder für die USA, Teile die den MIL-Standards entsprechen) zu verwenden. Diese beiden “Normen” gewähren deutlich höhere Anforderungen als vergleichbare DIN oder ISO Teile.

    Gruß aus München,
    von einem Freund einer ehemaligen Mitarbeiterin deiner Frau.

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