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Crossing the Atlantic

“Keep her as close as possible to the wind. Don´t give away a meter but don´t pinch her either,” sagt Matt unser dritter Mann und Kenner des Reviers zu mir.  Wir haben gerade das Kap von St. Lucia im Norden gerundet und sind auf der Zielgerade zur Rodney Bay Marina unserem Zielhafen. Die letzten Stunden segelten wir von einem Squall zum nächsten mit starken Winden und heftigem tropischen Regen. Alles ist grau in grau. Nur Regen und Starkwind. Nordseewetter bei 30 Grad Temperatur. Ist dies das Paradies Karibik??

Ich steuere von Hand, denn der Wind dreht permanent im Zielanlauf von St. Lucia. Wir wollen noch bei Tageslicht ankommen. Also Speed. Endlich runden wir das Kap.  Der Regen lässt nach und wir steuern die Rodney Bay Marina an. Die Böen fauchen von den grünen Hügeln des Kaps herunter. Ithaka legt sich weg, alle Segel sind voll gesetzt. Wir fegen mit maximal dicht gesetzten Segeln und Spitzengeschwindigkeit auf die Zielgerade.

Der Abend senkt sich gerade, aber es ist noch hell. Das Boot des Fotografen prescht heran und umrundet uns. Wir werden von allen Seiten fotografiert. Ohne noch einmal wenden zu müssen gehen wir über die Ziellinie. 20:46:15 am 5.12.2018 ist unsere Ankunftzeit. Das Hubsignalsingal des Schiedrichterboots beendet unsere Atlantiküberquerung.  Wir antworten mit unserem sonoren Horn. Überglücklich, aber todmüde winken wir dem Fotografenboot entgegen.

Per Funk erhalten wir die Einlaufanweisungen. Wir nehmen die Segel weg und laufen in die Marina ein. Die anderen Schiffe begrüßen uns mit eine Hubkonzert und Applaus. Was für ein Empfang! Wir sind tief berührt. Wir haben es tatsächlich geschafft. Die Leinen werden angenommen. Dutzende von helfenden Händen. Wir legen unseren nassen Sachen ab.  Und betreten vorsichtig den Steg.  Über 13 Tage mit intensiven Schiffsbewegungen ohne auch nur einen Moment der Ruhe liegen hinter uns. Wie werden wir auf festen Boden reagieren? Egal. Händeschütteln, anerkennende Worte, Umarmungen. Wir nehmen den angebotenen Rumpunsch dankend an und kippen ihn weg. Ohhh, tut das gut!!

Zieleinlauf – Die letzten Meter

St. Lucia Rodney Bay – Ist das die Karibik??

Geschafft. Am Ziel.

Fakten und Zahlen

Distanz: Brest/Frankreich – ST-Lucia: 5042 Seemeilen.

  • 3208 Seemeilen ARC+ Rallye: Las Palmas bis St. Lucia/Karibik
  • 2283 Seemeilen Leg 2: Mindelo/Kapverdische Inseln – St.Lucia/Karibik

Zeit: 13,5 Tage Kapverdische Inseln – St. Lucia

  • 13 Tage 7 Stunden 48 Minuten und 57 Sekunden
  • Größtes Etmal (24 Stundendistanz) 191sm!! Das ist ein Rekord.
  • Im Mittel etwa 160 bis 170sm pro Tag, was sehr schnell ist.
  • Geschwindigkeit über Grund unter Ausnützung des Transäquatorial Stroms teilweise über 9 Knoten. Sonst etwa 7 bis 8 Knoten.

Wind: Durchgehend Wind aus NE und E mit 15 bis 25 Knoten (4-6 Beaufort).

  • Unerwarteterweise waren die Passatwinde beständig schon zu dieser sehr frühen Winterzeit.
  • Die Herausforderung war die Windrichtung, die genau von hinten (180 Grad) kam. Das verursacht aufgrund des heftigen Wellengangs starke und sehr unangenehme Bootsbewegungen. Unkritisch aber extrem material- und menschenbelastend.

Wetter: Schön auf den ersten 70% der Strecke, dann viele Squalls mit Regen

  • Sonne am Tag und Sternenhimmel in der Nacht.
  • Die gefürchteten Squalls auf der Atlantikmitte blieben aus. Jedoch viele Squalls mit viel Regen, gerade nachts, auf den letzten 30%.

Welle: Die starken Tiefdruckgebiete im Nordatlantik auf der Höhe von England und in der Mitte des Atlantiks auf Höhe Spanien schickten uns massive Wellen aus zum Teil unterschiedlichen Richtungen. Das war die größte Herausforderung.

  • Wellenhöhe 3 Meter plus, im Mittel eher ca. 5-6 Meter
  • Wind aus 180 Grad führte zu einem Waschmaschinen Effekt auf jedem Schiff. Die Konsequenz Materialbruch und Seekrankheit. Bei uns kein Materialbruch.
  • Bei mir Seekrankheit, Tag und Nacht. Intensiv über einige Tage. Mir ist ein bisschen kodderig, sagte Angela ab und zu. Aber den Eimer hat sie nicht gebraucht.

Segeln: 80% der Zeit mit Großsegel links (Backbord) und ausgebaumter Genua rechts (Steuerbord).

  • Vollzeug oder 3 Reffs in den Sturmattacken der Squalls.
  • Nachts gereffte Segel, um bei unerwarteten Winden nicht sofort Aktionen einleiten zu müssen.
  • 20% der Zeit mit Gennaker (Leichtwindsegel), was bessere Geschwindigkeit und gute Stabilität brachte.
  • Der teure Parasailor (Spinnaker) kam nicht zum Einsatz. Wind über 20 Knoten bei viel Welle ist kein Einsatzgebiet für das Leichwindsegel.

Rangliste: Beim Zieleinlauf sind wir Nummer 31 von 72 Schiffen.

  • Die Nummer 1 hat etwa 10 Tage gebraucht. Wir waren etwas über 13 Tage unterwegs und die Letzten haben über 17 Tage benötigt.
  • Das ist ok, angesichts der Tatsache, dass hier einige Profischiffe unterwegs sind, die Tag und Nacht am Limit mit maximaler Mannschaft fahren. Das bedeutet: auf Schiffen die etwa 1,5 Meter kleiner sind als wir, fahren Besatzungen von 8-10 Leuten!! Da erhält jeder 2 Liter Wasser zur “Körperpflege” jeden Tag, wie man uns sagte.  Muss es da riechen….
  • Wir hingegen segelten meistens mit Autopilot und gekürzten Segeln in der Nacht und sind nur zu 2 bzw. zu dritt. Ach ja, und duschen konnten wir auch jeden Tag, was aber wegen der Welle nicht immer möglich war.

Technik: Keine Ausfälle beim Schiff.

  • Eine defekte Schmutzwasserpumpe in einer Dusche, eine leichte Leckage beim Generator. Eine verstopfte Toilette. Ein gebrochener Softschäkel. Ein verbogener Block. Ein durchgescheuerter Bullenstander/Preventer. Kleinigkeiten.
  • Gerade die Steuerungsanlage, die hoch sensiblen Funkanlagen und Navigationsgeräte, Rigg, Segel, etc. funktionieren ausgezeichnet.
  • Die sorgfältigen Vorbereitungen haben sich gelohnt. Dass das Schiff so unbeschädigt ankommt ist wirklich sehr ungewöhnlich, wenn man sich bei den anderen in der Flotte umhört. Da ging so einiges zu Bruch oder fiel einfach aus. Aber wir haben halt auch eine äußerst stabile Contest. Der Unterschied zu manchen anderen Booten wird deutlich.

Ein Outlaw Route – Weit ab vom Feld im Süden, das sind wir. Im Zieleinlauf aber ganz gut dabei. Entgegen vielen Vermutungen, war diese Route kein Zufall sondern durchkalkuliert u.a. von einen Software Program und hat so manche Crews in Zieleinlauf etwas geärgert, weil wir auf einmal vor ihnen waren. Ja gekonnt ist gekonnt….

Mindelo – Kap Verden

We go West

Kap Verden mit Ithaka

Unser Gennaker macht Druck auch bei wenig Wind

Und wie war es für uns, Traum oder Alptraum?

Wir haben so viel über die Barfußroute und die Atlantiküberquerung gelesen. Es erschien uns aus allen Berichten eigentlich relativ einfach. Passatwind von hinten. Welle schräg von hinten. Alles in Maßen, nicht extrem mit relativ beständigem Wetter. Das letzte Leg von Mindelo nach St. Lucia war jedoch die anspruchvollste Etappe für uns auf unserer Reise und Seglerleben bisher.

Kein Buch, kein Bericht hatte uns berichtet, wie hart und strapaziös die Atlantiküberquerung sein kann. Wir hatten so viel darüber gelesen und hatten somit wie wir meinten eine realistische Erwartungshaltung. Aber es war viel härter für uns als erwartet wegen den Wellen und den Bootsbewegungen. Und die anderen Crews berichteten fast alle dasselbe. Aber wir hatten immer guten Wind auf Leg 2 und keine Stürme, das war toll.

Schon auf dem Weg von Las Palmas nach den Kap Verden hatten wir gemerkt, wie anstrengend der Wachrhythmus und der Schwell des Atlantik ist. Schlafentzug und Seekrankheit zermürben auf die Dauer, wenn man nur zu zweit ist. Der Wind kam schon seit Lagos/Portugal genau von hinten, was das Boot ununterbrochen von rechts nach links schwanken ließ, so dass jede Arbeit an Bord und das Schlafen zur Herausforderung wurde. Ab Las Palmas und in den Kreuzseen der Kanarischen Inseln wurde dies extrem. 3-4 Tage ist das ok, aber danach geht es an die Substanz. Und das haben wir und insbesondere ich gemerkt.

So konnte es nicht weitergehen. Wir hatten uns das wirklich anders vorgestellt. Von unterwegs kontaktierten wir per Funk und Sat-Phone die britischen Agentur PYD (Professional Yacht Deliveries) und heuerten einen professionellen Skipper als dritten Mann an. Ein Manöver im letzten Augenblick, denn es blieb sehr wenig Zeit, jemanden auf die Kapverdischen Inseln einfliegen zu lassen, die ziemlich am Ende der Welt liegen. Unser Aufenthalt dort war ja nur 3 Tage. Aber Matt stand am Vorabend des Starts in Mindelo bereit. Profi Skipper und Sailing Coach mit beeindruckendem Lebenslauf. Wir sind erleichtert. Das bedeutet erst einmal 5 Stunden Schlaf am Stück für jeden von uns, jede Nacht. Was für ein Luxus nach den letzten Tagen, mit kaum Schlaf für jeden von uns.

Dann rufe ich noch beim Doc in München zur Abklärung meiner Halluzinationen an. Nach 24 Stunden und Rücksprache mit Pharmakologen kommt die Antwort: Jawohl, die Wirkung von Scopolamin würde durch mein Langzeit Medikament „dynamisiert“ werden. Wie bitte??? Hier schreibe ich mal einen Fluch auf, der in diesem Moment über meine Lippen kam: ## x!!! $$%%&&/§§## – Ich hab‘s verschlüsselt, jeder kann den schlimmsten Fluch und Verwünschung, den er/sie kennt hierfür einsetzen, er muss aber die derbsten, bayrischen Worte und die abscheulichsten Verwünschungen unter unmittelbarer Einbeziehung von Himmel und Hölle enthalten.

Wieviel Aufwand habe ich in das Unternehmen gesteckt. Wieviel zum Teil sehr teure Spezialisten, Berater, Techniker und Ärzte habe ich beschäftigt, um alles vorzubereiten insbesondere auch unsere Gesundheit. Alles abgewogen, alles geprüft. Und jetzt, so ein fataler Fehler der Medizin. Es war wiederholt besprochen, meine Tendenz zur Seekrankheit. Alle Medikamente, die wir möglicherweise nehmen müssten, waren auf Wechselwirkungeb geprüft. Alle Mögklichkeiten wurden erwogen. Ich bin stinksauer auf den Doc meiner Langzeitmedikation. Und auf mich. Hätte eben doch eine Zweitmeinung bei unseren Doktoren einholen sollen. Bin doch sonst auch vorsichtig.

Nun es ist wie es ist und Matt ist da. Also wir sind jetzt zu dritt. Bordsprache wird Englisch. Und wir werden ein gutes Team. So heftig auch die Transatlantikpassage wird. Wir arbeiten in Ruhe. Ich bin ja nach wie vor offiziell der Skipper. Matt berät als Associate Skipper, aber wir machen das natürlich genauso wie er sagt. Keine lauten Worte. Keine Emotionen auch unter Stress, wirklich fast überraschenderweise, verbringen wir die Zeit und alle anstehenden Strapazen sozusagen harmonisch. Jeder hilft dem anderen und es geht alles Hand in Hand. Tolles Team. Zwischendurch backen wir sogar Brot. u.a Bananenbrot an Tag 6, wo alle Bananen gleichzeitig reifen sind. Es gibt Joghurt mit Bananen zum Frühstück. Reis mit Bananen zum Lunch, und Bananenbrot am Abend. Danach können wir Bananen nicht mehr sehen, was auch kein Problem ist, weil sie ja alle weg sind.

Matt – The Third Man – Unsere Problemlösung

Wir legen wieder einen tadellosen Start hin. Angela nimmt es jetzt auch ganz gelassen hin, dass wir in vorderer Reihe starten. Schönes Wetter, leichter Wind. Auf geht es nach Westen und wir lassen Mindelo und die kapverdischen Inseln hinter uns. Wir sind guter Dinge und bestens ausgerüstet.

Ein Teil der Flotte

Mindelo hinterließ schon etwas das Gefühl eines Outer Planet. Irgendwie nicht so ganz Afrika, und auch nicht Europa. Man sieht die Armut überall, aber die Menschen sind freundlich und sehr entgegenkommend.  Leider haben wir keine Zeit für Sightseeing. Die Beschaffung von frischen Lebensmitteln steht im Vordergrund. Kleinere Instandsetzungen müssen gemacht werden. Einige Leinenführungen haben auf der Langstrecke nicht funktioniert wie geplant. Das muss schleunigst geändert werden. Die Zeit drängt.

Die deutsche Mannschaft der Salty Dog  als Gewinner der ersten Etappe wird gebührend gefeiert. 6 seasoned Profis auf einer X-Yacht 42. Die steuerten jede Minute aktiv und fuhren auch in der Nacht Leichtwindsegeln bei Starkwind. Hut ab, aber nichts für uns! Wir feiern den Salty Dogs Sieg mit fast allen deutschen Schiffen. Tapas in einer Kneipe in einer finsteren Ecke in Mindelo. Hervorragend. Ein Abend den keiner von uns vergessen wird. Tapas in Hülle und Fülle, Wein, Geschichten, Gelächter.  Ganz toll.

Wir feiern die No 1 des Leg 1 – Salty Dogs

Tanzen mit den Einheimischen

Die jungen Schönheiten von Mindelo

24 schöne Stunden auf See. Eine phantastische Nacht mit nie gesehenem Sternenhimmel. Wir prüfen die Wetterlage kritisch. Matt ist natürlich auch Meteo-Profi. Er erklärt die Großwetterlage und empfiehlt weit nach Süden abzulaufen und dann erst auf dem 11 Breitengrad Richtung Westen zu laufen. Eine Strategie, die in der tägliche Kurzwellen Funkrunde nach der ersten Woche durchaus kritisch kommentiert wird.

„Ithaka, have you noticed that our goal is St. Lucia and not Brazil or Patagonia.” Ich kommentiere zurück:“Thanks, Netcontroller, we will consider your advice but currently we enjoy the penguins swimming around our boat. We will change our course in due time.” Gelächter im Funk.

Nach 24 Stunden ändert sich das Bild. Die beiden bestimmenden Tiefdruckgebiete des nördlichen Atlantiks schicken hohe Wellen aus Nord. Der Wind ist aber eher mäßig aus Nord-Ost. Das Boot beginnt in einem Ausmaß dauerhaft zu schwanken, den wir bisher nicht kannten und das wird sich bis zum Ende der Reise nicht mehr ändern. Wir hatten alles an Bord wirklich fest verstaut. Aber diese Bewegungen setzten wirklich alles in Bewegung. Es rumpelt und klappert. Wir bessern nach. Stopfen Handtücher in Schapps und Schubladen. Es ist diese Bewegung, die Angela am meisten verabscheut. Torkeln von links nach recht und zurück.

Matt bespricht, welche Segel wir setzten und wie sie geriggt werden müssen. Wir probieren verschiedene Möglichkeiten aus. Am zweiten Abend müssen wir eine stabilere Lösung finden. Das Schiff arbeitet zu heftig, Segelstellung und Kurs müssen angepasst werden. Wir arbeiten bis 12 Uhr nachts 3 geschlagenen Stunden auf dem Vorschiff, um eine bessere Lösung zu haben. Leinen müssen hierfür ausgetauscht und durch deutlich härteres Material ersetzt werden. Blöcke müssen durch größere Dimensionen ausgetauscht werden. Harte Arbeit. Gegen Mitternacht ist Matt zufrieden. „With this wind and waves we always have to go full speed, and nothing must chaff. Otherwise the risk of damage is too high. With these movements things will break sooner or later. But now we are safe and you see the boat is much quieter now”, sagt er und verzieht sich in seine Koje. Naja, hoffentlich, denken wir. Ist schon besser aber, immer noch sehr heftig. Ich gehe erstmal nach unten und übergebe meinen Mageninhalt dem Eimer.

Mit 3 Reffs…

Trotz verbesserter Segelstellung und Kurs sind die Bewegungen so heftig und schnell, dass man sich überall und immer festhalten muss. Essen wird zur Strapaze und geht nur aus einer tiefen Schale. Trinken nur aus der Flasche. Toilette gehen, nur mit Festkeilen. Schlafen nur mit Leesegeln und verkeilen und vielen Polsterkissen überall. Die große Eignerkoje im Achterschiff wird umgeräumt und zur Staukammer.

Nach mehreren Anläufen, bei denen wir durch die Schiffsbewegungen trotz Leesegel einfach aus dem Bett geschleudert werden, geben wir auf. Angela verkeilt sich im Salon, um zu schlafen und ich gehe in die kleine Midship Cabin und binde mich mit dem Leesegeln fest. Wenn wir an Deck ein Nickerchen machen, müssen wir uns vorher festbinden, sonst fallen wir von den Bänken. Matt schläft in der Vorschiffkabine und schafft es irgendwie sich auf dem großen Bett wie ein Oktopus festzusaugen. Profi eben.

Schlafen – geht nur, wenn wir festgekeilt sind

Die ersten Tage und Nächte wechseln sich ab bei unverändertem Wetter. Welle von hinten 5-6 Meter im Mittel. Ca 20 Knoten Wind von hinten. Bootsbewegung extrem unruhig. Wachwechsel alle 3 Stunden. Dunkelheit genau 12 Stunden.  Der Blick nach hinten stets beängstigend. Die Wellen rollen heran wie eine dunkle drohende Wand, heben das Boot spielerisch an und wir rauschen ins Wellental ab. 3 Meter hatten wir immer, 5-6 Meter, wenn es wirklich bewegt war, aber auch eben mehr…

Hohe Wellen – Das hier sind so 6 Meter – Das Schiff ist eine Wellenlänge entfernt

Jedes Schiff rollt – von links und nach rechts 24 Stunden. Jeden Tag. Hier eine andere Yacht ein X-Yacht 39 Melisa.

Unter diesen Bedingungen kann man nicht anderes machen als nur dasitzen und segeln. Lesen und Schreiben unmöglich. Der Schwindel ist viel zu groß. Etwas arbeiten? Ausgeschlossen. Die Bewegungen sind maximal und jeder muss sich auch im Sitzen mit ein oder 2 Händen immer festhalten. Wir versuchen es mit Ablenkung. Angela Rocks the Waves an 2 Nachmittagen. Queen, Rolling Stones, Pink Floyd, Joe Cocker, alles mit richtig Sound wird eingelegt und die Anlage voll aufgedreht. Es hilft etwas… Das Schiff gibt darüber hinaus Sicherheit und Geborgenheit. Das lässt uns entspannen.

We rock the waves

Wir fangen zwei Fische, einen Bonito, den wir essen ( lecker!) und einen Thunfisch, den wir wieder reinwerfen, weil er uns irgendwie zu klein vorkommt. Ab Mitte Atlantik haben wir soviel Sargassograss auf der Oberfläche, dass Angeln nicht mehr wirklich möglich ist.

Warten, dass der Fisch beisst.

Der Bonito schmeckt sehr gut

Matt macht mit uns Training Sessions. Wetterkunde , Routenplanung für grosse Fahrt, Materialkunden, Segeltaktik, Squalls. Wir lernen wirklich viel. Wir probieren auch viel aus. Insbesondere Angela hat die Chance unter Anleitung von Matt viel zu üben. (Ich bin durch Seekrankheit und Nebenwirkungen zeitweise völlig Out of Order.) Theorie und Praxis. Super. 14 Tage Training sozusagen umsonst. Das bringt etwas Ablenkung. In unsere Freiwache am Tag dösen wir oder versuchen ohnehin zu schlafen. Ansonsten essen und trinken, wenn es irgendwie geht.

Angela eher vergnügt auf Wache

Ich auch auf Wache, aber leider seekrank – Im Prinzip 14 Tage lang

Aber es gibt auch Momente mit wenig Seekrankheit- 24 Stunden zum Ziel werden gefeiert mit eine Schluck Champagner. Sonst gibt es keinen Alkohol.

Sonnenuntergang – Wann kommen die Squalls?

Da kommen die bösen Squalls – deutlich auf dem Radar zu sehen: hinter dem Schiff Backbord und steuerbord von uns. Angela und ich diskutieren, weil wir nichts weiter zu tun haben, ob die auf dem Radar ausschauen wie Blümchen oder Eitergeschwüre. Wir können uns aber nicht einigen…

Angela funkt wie eine Weltmeisterin, nachdem ich den Platz krankheitsbedingt räume. VHF und Kurzwelle. Egal es wir gefunkt, was das Mic hergibt und kommuniziert in Englisch.  Nur das Englisch von Funkern von fremden Frachtern von irgendwoher, macht noch etwas Probleme. Matt oder ich übernehmen, wieder.

Nach 13 Tagen taucht dann in Regenwolken im letzten Moment St. Lucia auf.

Die Tage nach dem Ankommen gibt es ein großes Hallo mit den nach und nach eintreffenden Crews. Wir feiern, Essen und Trinken. St. Lucia Fernsehen kommt bei uns vorbei und interviewt und filmt uns. Wie wir erfahren, wird das dann im Abendprogramm sogar voll gesendet wird. Wie nett. Die unangenehmen Erfahrungen und gerade meine Seekrankheit rücken von Stunde zu Stunde in den Hintergrund und werden ersetzt durch Sonne, Wärme, Kameradschaft, gutes Essen, reichlich Rum und Geschichten der anderen.

9-Feiern in St Lucia

Feiern beim Straßenfest in St. Lucia mit den anderen Crews  … bis zum Abwinken

Ein Mannschaftsmitglied des schnellsten Bootes unserer Klasse gesteht mir nach einigen Gläsern Rum im Vertrauen: „Christoph, wenn mir irgendeiner jetzt sagt, die Barfußroute wäre einfach zum Segeln, dem hau ich eine rein.“

Turbo Summary for English Readers:

We did cross the Atlantic successfully. Leg 2 from Cap Verdes took 13.5 days. Due to constant strong backwinds and our route going far South till latitude of 11 degrees we were fast. The winds right from the back and quite some waves make Ithaka roll horribly all the time which made it an extremely uncomfortable passage. We arrived in St.Lucia in heavy rain, wet and happy.

Beste Grüsse aus der Karibik

Christoph

 

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9 replies »

  1. Hallo Angela und Christoph
    Nachdem wir die fast 2 Wochen lang täglich mehrere Male über App und Homepage von ARC+ Position, Welle, Wind, Wetter, Geschwindigkeit und Kurs verfolgt hatten (es gab ja alle 4 Stunden Updates, Temperatur wurde irgendwann langweilig), sind wir froh, dass Ihr es geschafft habt! Herzlichen Glückwunsch zur Atlantiküberquerung. Was für eine Leistung. Wir bewundern Euch dafür. Noch dazu nach dem Bericht!

    Vielen Dank für den umfassenden Bericht, wir hatten ihn seit Tagen sehnsüchtig erwartet. Er ist eindrücklich, wir können nun nachvollziehen wie es Euch erging, nachdem wir oft an Euch gedacht hatten. Das wäre mit Sicherheit nichts für uns gewesen, selbst während der Gedanken an Euch hatten wir das festgestellt, aber nun erst recht!

    Geniesst nun die Zeit in der Karibik, bei weniger Welle, Squall und was sonst noch. Wir freuen uns schon heute auf die neuen Berichte von der Ithaka.

    Viele Grüsse von den Böttchers aus der Schweiz.
    Lars, Elke und Katharina

    PS: Wir hatten uns auch über den südlichen Kurs zu Beginn gewundert… 🙂

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  2. Ihr Lieben,

    herzlichen Glückwunsch zu dieser großen geschafften Etappe!!!
    Und wisst ihr was- ich habe heute Nacht von euch geträumt, dass ihr in St. Lucia angekommen seid. Und jetzt lese ich es gerade, dass ihr wohlbehalten angekommen seid!! ich freue mich mit euch und wünsche euch ein paar erholsame Tage, bevor es weitergeht!
    Einen schönen 2. Advent:-) wünscht euch
    Kathi

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  3. Lieber Christoph
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles Gute und Gesundheit.
    Nach den Strapazen der Atlantiküberquerung wünsche ich Euch nun wunderschöne Segeltörns in der Karibik, mit gutem Wind, viel Sonnenschein, keiner Welle und ohne Seekrankheit.
    Viele Grüsse,
    Lars

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  4. Hallo Angela, hallo Christoph, erst einmal Glückwunsch und Kompliment für Eure tolle Leistung!
    Lieber Christoph, da ich nicht weiß, ob unsere Mail bei Dir angekommen ist, auf diesem Wege nachträglich alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag! Viel Glück und hoffentlich zukünftig ein entspanntes Segeln in der Karibik oder wohin Euch der Wind auch treibt.
    Liebe Grüße von Anita und Werner

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  5. Hallo Angela, Hallo Christoph,
    Ein toller Bericht, sehr authentisch geschrieben. Ich kann vieles nachvollziehen, da wir es ähnlich erlebt haben. Wünsch euch noch eine tolle Zeit und frohe karibische Weihnacht.
    Schönen Gruß,
    Winni von der Salat Dog

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  6. Hi
    Now back in the UK and catching up on your blog. It’s a really good read and brings back many memories for us. Sorry to say that I got a great sense of Schadenfreude when I looked at the photos of a sea sick Christoph. I don’t know why it made me laugh as I have been there many times myself. A great choice in music by the way, we must have the same ipod!!

    Have a great Christmas

    Nick and Carol

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