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Leinen los

Endlich ist er da, unser hydraulischer Achterstagsspanner! Nach langem Hin und Her mit der fehlerhaften Reparatur in Spanien hatten wir die Nase voll und mussten einen neuen in Deutschland bestellt. Nach intensiven telefonischen Beratungen baute die Firma Reckmann das Teil in der erforderlichen Größe in nur einem Tag zusammen und 28 Stunden nach Versand traf es hier in der Werft ein – einen Tag früher als angekündigt! Uns wird wieder einmal klar, dass vieles, was wir in Deutschland als selbstverständlich erwarten, sich woanders als unmöglich erweist.

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Danke an Fa.Reckmann: toller Service, tolle Produkte, tolle Preise

Das ist nun leider eine ungeplante größere Extraausgabe. Aber nachdem meine Frau sowieso kaum mit Schmuck oder Handtaschen zu beglücken ist, bekommt sie nach Klimaanlage und Leichtwindsegel zu ihren letzten Geburtstagen im August nachträglich einen wunderschönen, silbernen, in seiner Massivität beeindruckenden Achterstagsspanner, mit Beschlägen, die in ihrer Massivität seines gleichen suchen.

Das Ganze dient nicht nicht nur einem effizienten Segeltrim, sondern sorgt mit seiner Zugkraft von ca. 6 Tonnen beträchtlich für die Sicherheit des Riggs! Hinsichtlich der Kosten hätte ich jedoch einen Diamantring oder so was bevorzugt…

Wir wollen so schnell wie möglich los, sowie das Teil installiert ist. Falls wir es in ein paar Stunden schaffen, die Leinen loszuwerfen, verspricht uns der Wetterbericht zumindest für den ersten Tag der Überfahrt auf die Kanaren noch Wind aus der richtigen Richtung. Danach ist Motoren angesagt bzw Gegenwind. Segler wissen, dass es nichts Unangenehmeres gibt als ohne Wind mit seitlicher Welle in eine bestimmte Richtung zu müssen. Das Schiff rollt (schwankt) dann ununterbrochen von links nach rechts und wieder von rechts nach links. Uns graust es davor! Seekrankheit ist so gut wie vorprogrammiert. Aber Wind ist erst wieder in einer Woche angesagt und da wir schon jetzt aus Zeitgründen auf Madeira verzichten müssen, wollen wir zumindest noch die eine oder andere kanarische Insel besuchen.

Die Vorbereitungen für eine paar Tage auf See ist eine Menge Arbeit:

  • Frischeinkäufe tätigen und verstauen
  • Motor und Generator nochmal auf Ölstand und Dichtheit prüfen
  • Wassertank ganz auffüllen
  • Fahrräder zusammenbauen und unter Deck verstauen
  • Beiboot (Dinghi) zusammenpacken und verstauen
  • Aussenbordmotor an Halterung an Deck fixieren
  • Anker seefest verzurren
  • Notfalltasche packen
  • Sicherheitslaufleinen am Deck ausbringen
  • Leichtwindsegel wie Gennaker und Parasailor an Deck bzw. unter Deck bereitlegen.
  • Leinen und Umlenkblöcke für Leichtwindsegel ausbringen.
  • Bullenstander anschlagen (Sicherheitsleine für den Großbaum)
  • Sonnensegel (Bimini) zusammenfalten und verstauen
  • Vorkochen für 2 Tage
  • Müll wegbringen
  • Cockpit nochmal reinigen.
  • Check-out bei der Marina bzw Werft
  • Klapper-Check: Alles fest unter Deck?
  • Saubere Reise bzw. Segelarbeitskleidung anlegen und Nachtkleidung bereitlegen.
  • Noch eine letzte Information an Family & Friends: Wir sind jetzt mal gerade weg…
  • Und nicht zu vergessen 50-ziger Sonnencreme aufbringen/Sonnenhut aufsetzen

Wir schaffen es, völlig durchgeschwitzt, um kurz nach 14 Uhr in der Werft abzulegen. Der geplante kurze Tankstopp um die Ecke entpuppt sich wieder einmal als Herausforderung für unsere deutsche Mentalität. Statt der geplanten Viertelstunde zum Volltanken unserer 700 Liter Diesel dauert es eine gute Stunde länger, da der Tankwart zwischendurch noch etwas Wichtiges zu erledigen hat und man plötzlich jetzt im Oktober nur noch bar zahlen kann.

Die größte Lernaufgabe für unsere Zukunft ist es wahrscheinlich, weniger deutsch zu denken und uns in Gelassenheit zu üben! Aber so einige saudummen Ausreden mancher Leute gehen uns wirklich auf die Nerven.

15:45 geht es los. Nicht ideal, weil wir gleich mit einer Nachfahrt beginnen und der Wind unregelmäßig mit Welle aus Gibraltar angesagt ist. So wird es dann auch. Unregelmäßige Winde und Wellen. Das Schiff schlingert wie verrückt, weil zu wenig Wind ist. Die Segel stehen nicht und schlagen. Eine schlechte Nacht mit keinem Schlaf bedeutet das für uns beide und viel Arbeit für regelmäßiges Segeltrimmen, setzen und bergen. Und auch Seekrankheit… Der nächste Tag soll besser werden. Gemäß Wetterbericht geht der Wind ganz weg und die See wird flach.

Kurz nach dem Ablegen und vor Sonnenuntergang nehmen wir uns Zeit, Neptun eine ganze (wirklich ganze) Flasche besten österreichischen Schnaps zu opfern. Joanna und Wolfgang haben uns dies eindringlich ans Herz gelegt und uns gleich die richtig Flasche Schnaps hierfür mitgebracht. Sie sind ja beide auch sehr tüchtige Seeleute, wenngleich sie ein Motorboot bevorzugen. Aber auch sie haben gelernt, dass man Neptun bzw. dem Meer mit einer gehörigen Portion Respekt und Demut begegnen muss. Letztendlich geht es bei diesem Opferbrauch nur darum, sich Respekt, Vorsicht und Demut gegen über den Naturgewalten nochmal zu vergegenwärtigen.

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Alles für Neptun, wirklich alles…

Nach 24 Stunden verbessert sich die Situation wir bekommen mehr Wind und segeln relativ ruhig dahin.  Weiterhin Kurs Süd-Süd-West 208 Grad. Dann geht planmäßig der Wind weg aber auch die Welle und wir motoren die restlichen 2,5 Tage und Nächte nach Lanzarote.

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Etwas gespenstisch, denn das Meer wird so ruhig und glatt wie ein Spiegel. Die Nächte pechschwarz und sehr dunstig und feucht. Der Blick nach oben zeigt einen tollen Sternenhimmel, aber die Sicht rundum ist nicht möglich. Also ist eine rein virtuelle Navigation angesagt, wie wir das schon von der Westküste von Portugal im dichtesten Nebel kennen. Der Motor brummt leise vor sich hin.

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Überwachung an Deck. Unten ist es gemütlicher.

Wir verziehen uns in den Salon und stellen unseren hochsensiblen Radar und AIS (Schiffidentifikationssystem) so empfindlich ein, dass wir alles auf dem Bildschirm sehen können. Da sehen wir viel mehr als draussen mit blanken Auge oder Marinefernglas. Nachdem nicht viel los ist, schaut jeder von uns in seiner Wachschicht Videos an und blickt zwischendrin auf den Überwachungsmonitor. Ganz gemütlich, aber irgendwie doch merkwürdig. Wir steuern vom komfortablen Salon über den Atlantik Richtung Süden.

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Nur 5 Schiffe im Umkreis von 36 Seemeilen, zwei haben passiert, eines ist auf Gegenkurs

Wir erreichen Lanzarote in den Morgenstunden und fahren direkt in den Süden. 571 Seemeilen in 90 Stunden. Wir gehen vor Anker, baden in kristallklarem Wasser, nehmen ein gesundes Frühstück zu uns und gehen danach direkt ins Bett und schlafen uns erstmal aus.

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Bis bald und gute Nacht.

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