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Vorbereitungen und Rückschläge

Es wird höchste Zeit nach Madeira aufzubrechen. Es ist heiß in Lagos in diesen Tagen und der kühlende Nordwestwind bleibt immer mehr aus. Über dem Atlantik entstehen Tiefdruckgebiete, die das Nordwindsystem des Sommers beenden. Aber das ist genau der Wind, den wir brauchen, um nach Süden bzw Südwesten zu kommen. Zwischendurch sind jetzt Ende September die Winde schon so garstig aus Südost, dass die Hafeneinfahrt wegen der auflaufenden Grundseen gesperrt werden musste.

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Hafeneinfahrt Lagos gespeert bei Südost Starkwind aus Gibraltar

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So ein Wind wäre gut….

Wir bereiten jeden Tag etwas vor bzw. uns selber vor, aber im Wesentlichen warten wir auf die Reparatur des hydraulischen Achterstagspanners. Das ist ein Zylinder, der das Want/Stahlseil von der Mastspitze zum Ende des Schiffes spannt und je nach Segelstellung in der Zugstärke verändert werden kann. Die Zugkräfte liegen dabei bis 6 Tonnen. Offensichtlich bekommen wir solche Lasten nicht anders technisch variabel einstellbar geregelt. Zweifellos hängt auch die Stabilität des ganzen Riggs davon ab.

Es gibt viel zu tun und wir nützen die Zeit, aber es ist heiß, wirklich heiß. Ein paar Aktionen im Überblick:

Wassermacher am Hochdruckschlauch abdichten. Jeden Tag ablegen, aufs Meer fahren, testen und wieder zurück, um die Werft nachbessern zu lassen. (Anm.: Das Dreckwasser aus dem Hafen, wollen wir nicht ansaugen, das würde die Filter der Anlage sofort dichtsetzen.)

Einkaufen, Einräumen: Eingekauft ist relativ schnell und günstig. Transport zum Schiff erfolgt mit unseren Fahrrädern mit ausgeklügelter Befestigungstechnik. Das dauert dann schon etwas länger. Aber das Einräumen ist mühsam. Das Schiff hat natürlich Schapps für Essen und Kochutensilien. Aber 90% der Vorräte müssen in Salonbänken, unter Bodenbrettern und in der Bilge verstaut werden. Wir brauchen passende Körbchen und Abstandshalter zu möglichem Bilgewasser, was meistens ein Gemisch aus Süß/Salzwasser und Schmutz aus der Bilge ist. Auch müssen die Lebensmittel natürlich alle aus- und umgepackt werden. Papier und Pappe darf nicht ins Schiff, weil es feucht wird und Nährboden für Ungeziefer ist. In Summe: Ein größerer Einkauf und Verstauen ins Schiff dauern dann schon einen ganzen Tag. Angela wird zum Chief Logistic Officer befördert.

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Einkauftransporter

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Unter dem Sofa

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Kartoffelkeller

Gasflaschen. Eigentlich eine Kleinigkeit, denn viele Haushalte hier kochen mit Gas. Das gibt es in 10l Flaschen günstig überall zu kaufen. Perfekt…. nur eine Kleinigkeit: Kein Adapter zu unserem Schiff passt. Nur 2 cm groß ist so ein Adapter. Es gibt ihn aber nicht. Wir bestellen per Amazon viele Adapter in präziser Beachtung teurer Segelliteratur von selbstberufenen Fachleuten, aber sie passen nicht. Jeder Gas-Shop und Mechanikerladen in Lagos wird durchsucht. Nichts. Letzte Lösung: Wir finden einen Mechaniker, der das Teil auf Drehbank in kürzester Zeit herstellt. Die Verständigung ist ein Problem, weil er wirklich keine Wort englisch versteht und ich kein Wort portugiesisch. Aber wenn 2 Leute kommunizieren wollen, dann können sie das auch, selbst wenn es über Fachbegriffe wie Gewindesteigung und Maßgenauigkeit geht. In Summe viele Tage Arbeit. Der Einbau ist dann rasch gemacht. Mal ehrlich, die Europäischen Kommission normiert alles, selbst wie wir mal erfahren haben Gardinen und Stangen hierfür, aber Gasanschlüsse, nein, jedes Land in Europa hat verschiedene Gasanschlüsse, und dafür haben wir jetzt ganz viele Adapter. Es lebe Europa!

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Noch etwas Gymnastik für Christoph beim Einbau des Adapters am Heck

La Réserve du Patron: Wein ist gut und günstig in Portugal. Natürlich ist Bier die wichtigste Flüssigkeit für jeden Skipper und Crew, allerdings sind die Mediziner der Meinung, dass Bier in geringen Mengen zweifellos gesund ist, wohl aber der Nährwert des Biers für Herrn über 60 zu hoch ist und Wein in mäßigen Mengen deutlich günstiger wäre, um kritische Blutfettwerte im Griff zu halten.

Nun ja, ich folge den Empfehlungen schon seit einigen Jahren mit ausgezeichnetem Erfolg, kann aber dieser Diät nur dann folgen, wenn ich wirklich guten Wein trinke. Im Hinblick darauf, dass jeder zukünftige Weineinkauf sicherlich massiv teurer wird, der Wein sicherlich keine sorgfältige Temperaturlagerung erfahren hat und ganz sicher deutlich schlechter ist, muss ich sorgfältigste Vorbereitungen hier treffen. Folglich machen wir bei Kiko, einem der besten Lokale in Lagos, ganz urig mitten im Werftgelände gelegen, eine Weinprobe (ein Tag Rot, ein Tag Weiss). Auch das ist harte Arbeit, weniger die Verkostung, sondern vielmehr der bruchsichere Einbau in die Bilge. Der angenehme Nebeneffekt für unser Schiff, was immer 1,5Grad Schieflage nach rechts hat (Steuerbord), schwimmt jetzt fast gerade, dank dem Wein.

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Reinigung Schiff: Lagos ist schön, die Sandstände auch, der Wind auch, das Meer auch. Die Kombination der Elemente ist jedoch scheußlich für ein Schiff. Es bildet sich eine klebrige Sandmasse, die sich überall niederschlägt und ein Schiff schneller rosten lässt und kaputt macht als man schauen kann. Unter anderem auf dem Rig mit dem wunderschönem weiß lackierten Mast hinterlässt die Kombination aus Salz und Sand hässliche Spuren. Nach dem Riggcheck beschwert sich der Riggmeister Antonio, der in den Mast stieg, höflich aber deutlich, dass wir ja vorher bitteschön den Mast hätten einmal waschen können und dass er jetzt völlig versaut wäre wegen unserem dreckigen Rigg. Und er hätte jetzt extra seinen Urlaub unterbrochen für unseren Riggcheck und er müsste sich jetzt erst mal umziehen bevor er zu seiner Frau geht. Und welcher Trottel von der Contest Werft das Rigg mit Vaseline eingeschmiert hätte. Das kam kristallklar im perfekten Englisch rüber, wo sonst die Portugiesen eher „broken Englisch“ reden. „Ok, Antonio verstanden. Vielen Dank für diesen Hinweis. We will take action.“

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Ein Rigg wird gründlich gewaschen.

Ersatzteile:  Alle Dinge an Bord gehen kaputt. Feuchtigkeit, Salz, Temperaturen über 25 Grad, permanente Schüttelbelastung wie bei einem Erdbeben mit 6 auf der Richterskala, und kontinuierliche Belastung, zerstören alles. Es ist also nicht die Frage, “ob“ sondern ausschließlich „wann“. Im Rahmen eines sorgfältigen Risikomanagement müssen also kritische Komponenten als Ersatzteile mitgenommen werden, auch wenn sie größer ausfallen. Unter anderem z.B. die Schiffsschraube. Unter Wasser haben wir eine ziemlich komplizierte Schraube mit Propellerblättern die sich entfalten je nach Drehrichtung der Welle, und zusammenfalten, wenn wir segeln (Gori Prop 24 Zoll, für die Fachleute). Als Ersatzteil haben wir einen klassischen Festpropeller. Der ist dann schon ziemlich groß und wiegt deutlich über 20kg. Siehe Bild. Der muss unter Deck sicher und rutschfest verstaut werden. Ganz tief unten in der Bilge, was ganz viel Arbeit ist!

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Und während wir all das machen, warten und warten wir auf unseren Achterstagspanner. Der kommt dann auch – gründlich gewartet aus Spanien. Allerdings geht er jetzt gar nicht mehr und wir müssen einen neuen in Deutschland kaufen.

Da hat der Subcontractor von Sopromar richtig schlecht gearbeitet und dann noch alles auf den Transport geschoben. Das kostet jetzt richtig Geld und Zeit. Wir sind stinksauer.

Und uns rennt die Zeit davon. Die Buchten und Häfen mit den Segelschiffen, die über den großen Teich gehen, leeren sich. Alle machen sich auf, um den letzten Wind Richtung Kanarische Inseln zu bekommen. Nur wir sitzen hier und warten. Wir fühlen uns nicht gut, weil wir wissen, dass die Überfahrt nach Gran Canaria wahrscheinlich nicht einfach wird. Auch fühlen wir uns etwas verloren und deprimiert. Andere Segler, mit denen wir schöne Stunden verbracht haben, verabschieden sich gen Süden und wir können ihnen nur nachwinken.

Mit gutem Essen und dem einen oder anderen Drink stärken und trösten wir uns.

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Aber Atlantik – wir werden auch noch kommen! Es kann sich nur noch um ein paar Stunden (Tage??) handeln!

Bis dann

Ithaka Team – On Hold

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4 replies »

  1. Oh Mann- ihr habt aber auch Pech mit diesem Ersatzteil….kann ich mir gut vorstellen, dass ihr stinksauer seid!! Ich drücke euch die Daumen, dass es nun bald ankommt und ihr starten könnt!!

    Spannend ist es auf alle Fälle, eure Berichte zu lesen!!

    Fühlt euch gedrückt von Kathi

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  2. Hallo Ihr Lieben,
    Hatte auf MarineTraffic euer Schiff immer im Auge.
    Es hat mich gewundert, dass ihr bis vor ca 3 Tagen noch nicht losgefahren seid.
    Habe auf eure Einladung zu eurem Blog gewartet. Nun sitze ich in Mittenwald und habe festgestellt, dass ihr vor Kurzem gestartet seid. Habe dann euren Blog im Internet gesucht und bin fündig geworden. Nun erklärt sich einiges. Meine Frau , die Große, ist übrigens auch Löwe.
    Wir wünschen euch alles was das Seglerherz erfreut und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel. Ich gehe davon aus, dass wir uns nächstes Jahr in Medemblik wohl nicht zum Owners Dinner treffen werden. Schade . Bis Bald . Silvia & Fernando

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    • Hallo Silvia und Fernando,
      schön, dass ihr uns jetzt auch folgt. Selbstverständlich erinneren wir uns. Sorry, dass wir dir nicht wie vereinbart eine Einladung zum Blog geschickt haben, aber bei uns war das Starten und Loslassen von zu Hause wirklich eine Herausforderung und da blieb kaum Zeit.
      Wir sind gerade in Lanzarote angekommen. Und somit werden wir auch beim Owners Dinner nicht dabei sein. Hier in der Marina haben wir die Luna Verde ebenfalls eine Contest 50CS getroffen. Wir werden mit ihnen Erfahrungsaustausch im kleinen Kreis machen.

      Beste Grüße
      Christoph und Angela

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  3. Wir hoffen, dass ihr trotz aller Widrigkeiten inzwischen unterwegs seid. Auch wir finden euren Blog einfach toll!! Wir freuen uns schon auf weitere Infos von euch. Macht es gut und haltet die Ohren steif! Liebe Grüße Anita & Werner

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