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Mit dem Kaas an der Maas

Wir sind in Rotterdam (liegt an der Maas, wie der Rhein in seinem Unterlauf auch heißt) und liegen in einem schönen kleinen alten Hafen mitten im Zentrum der Stadt. In wenigen Tagen geht die Reise weiter nach Zeeland ganz im Süden von Holland. Wir beide sind wohlauf, zweimal geimpft und guter Hoffnung, dass wir unsere Bora Bora, uns selbst und unsere Reise zumindest für einige Zeit mal wieder im Griff haben.

Bora Bora im alten Hafen im Zentrum von Rotterdam

Viel ist passiert in diesem Jahr. Bedingt durch den Corona Lockdown und die sehr hohen Fallzahlen in den Niederlanden hatten wir uns entschlossen, erst im Frühsommer auf unser Boot zu gehen und dafür wichtige Familien- und damit verbundene Hausprojekte in Gütersloh und Garmisch-Partenkirchen vorzuziehen. Das kostete viel Arbeit und bedeutete ein stetiges Pendeln zwischen den Orten (ca. 800km dazwischen). Angelas Mutter konnte schon im Februar in ein sehr gutes Pflegeheim übersiedeln. Wir waren überrascht, wie schnell sie sich an die neue Umgebung gewöhnt hat. So können auch wir und insbesondere Angela und Schwester Bettina entspannen.

Unsere Elternhäuser in NRW und Bayern haben einen neuen Eigentümer bzw. neue Mieter gefunden. Davor waren aufwendige Entrümpelungsaktionen mit anschließenden Renovierungen notwendig. Die Einbindung von Geschwistern, Kindern, Neffen und Nichte bedeutete viel Interaktion. Das ganze natürlich unter Corona- Bedingungen, die trotz der angestrebten Einigkeit der Bundesregierung zwischen NRW und Bayern nicht unterschiedlicher hätten ausfallen konnten.

Fitness Training mit dem Mountainbike in Garmisch – Nach den vielen Autofahrten müssen wir uns bewegen

Im Mai kommt Bora Bora ins Wasser. Kleinere Reparaturarbeiten hier und da. Noch ein neuer Satellitenkompass für die Navigation, damit das Schiff auf den Kanälen nicht beim Queren von Unterwasserkabeln oder entlang von metallenen Spuntwänden aufgrund des gestörten Magnetfelds die Orientierung verliert und unter Autopilot in die Böschung bzw. Kanalmauer donnert. Nettes Spielzeug. Immerhin sind wir das erste Schiff am Ijsselmeer, das so etwas Tolles hat, sagt der Elektroniker. Aber vielleicht sagt er es auch nur, um mich über den hohen Preis zu trösten.

Sommer in den Niederlanden: Gerade ist eine Sturmfront durchgezogen

Im Juni cruisen wir ein bisschen herum. Machen u.a. eine Ausfahrt mit Bora Bora auf das stürmische Wattenmeer und freuen uns, dass unser Schiff 7 Beaufort gegenan locker und ohne Anstrengung meistert. Ganz ruhig motort sie, während die Wellen fast beängstigend über ihren Bug gischten. In der Wattensee windet sich die Fahrroute im Zickzack, aber auch mit Welle von der Seite halten die Stabilisatoren das Schiff ruhig. Wie schön!

Wir treffen unsere Freunde Tina und Bernd auf der Nordseeinsel Texel und auch in Medemblik. Erinnerungen an unsere gemeinsame Atlantiküberquerung werden aufgefrischt. Wir essen und trinken reichlich und versuchen kleine Schokocookies aus niederländischer Herstellung, die so in Deutschland nicht erlaubt wären… .  Auch eine Erfahrung, die wir noch nicht gemacht hatten in unserem Leben.

Ex Ithaka Team in Texel
Texel Hafen
Radausflug mit eBikes in Texel
Im Wattenmeer bei der Rückfahrt von Texel bei Flaute
Fachsimpeln zwischen Segler und Motorbootfahrer
Beim Wirt in Medemblik

Offene Arbeiten in Gütersloh und Garmisch fordern unsere Anwesenheit. Angelas schon recht betagter Golf pfeift bei diesen langen Fahrstrecken mächtig und landet fast nach jeder Langfahrt in einer VW- Werkstatt. So geht das nicht weiter! Wir brauchen einen leistungsfähigen Langstreckenwagen. Was kauft man in diesen Tagen? Wir wollen flott und bequem unterwegs sein und dabei auch umweltbewusst handeln. Tochter Anna erinnert mich bei meinen Überlegungen an meine ((noch) nicht vorhandenen!) Enkelkinder!!! Ich brauchte dann doch einige Zeit, um diesen Hinweis zu verstehen! Also Elektro, Hybrid, Verbrenner, Otto, Diesel??? Jeder erzählt was anderes. Vor allem natürlich die Händler. Für den Langstreckenbereich entscheiden uns für einen verbrauchsarmen Diesel mit modernster Abgastechnologie. Der steht allerdings in Karlsruhe, was jetzt auch nicht gerade auf unserer Route liegt.

Coronabedingt haben wir die Kinder lange nicht gesehen. Also binden wir Heidelberg, München und Neuötting in die Fahrtrouten mit ein. Nach der zweiten Impfung geht es definitiv zurück aufs Schiff. Den Rückzug in unsere Heimat haben wir auf den 1. Oktober verschoben. So können wir noch ohne große Fahrstrecke Tina und Bernd am 10. September in den Hafen der Ehe begleiten, das Schiff winterfest machen und die Übergabe des Gütersloher Hauses abwickeln.

Mitte Juli geht es dann definitiv für 2 Monate aufs Schiff. Wir wollen nach Berlin und in die Mecklenburgische Seenplatte. Zurück über die Ostsee.

Unsere Stammleser warten vielleicht schon auf die nächste Hiobsbotschaft bzgl. Schiff. Hier ist sie! Die Welle quietscht, nein wimmert, oder sie singt vielleicht eher bei gewissen Drehzahlen. Das war zwar bis dato auch schon der Fall, aber nur leise und in einem ganz kleinen Drehzahlbereich.  Aber kurz vor der deutschen Grenze wird das besorgniserregend laut. Wir brauchen eine Werft, die unser schweres Schiff aus dem Wasser heben kann. Nach vielen Telefonaten werden wir fündig. Ziemlich heruntergekommen der Betrieb. Das Schiff wird mit einem uraltem Kran herausgehoben. Die Welle dreht schwer, ist aber noch ok, sagt der Techniker. Wir sollten die Kühlwasserschmierung verbessern, meint er. Ich baue das Kühlwassersystem um. Bringt aber nichts. Weiter könnten sie uns leider nicht helfen….

Wir telefonieren weiter und suchen eine spezialisierte Werft für große Motorschiffe. In Sneek in Friesland werden wir bei Fa. Aquanaut fündig. Eine 1,5 Tagesreise bringt uns dorthin zurück. Das Schiff wird ausgekrant, die Welle ausgebaut. In der Tat ist das Wellenlager stark beschädigt, die Welle im Mittenbereich ziemlich angerostet. Also müssen eine neue Welle und ein neues Wellenlager her. Das Ganze kostet uns 2 Wochen. Mal wieder Hardstanding an Land. Karibik lässt grüßen! Verdammt, das hatte wir doch alles schon mal 2020 in Sint Maarten.

Das Schiff kommt aus dem Wasser zur Reparatur diesmal mit Zughebewagen, nicht mit einem Kran
Bevor die Welle ausgebaut werden kann, muss das Ruder entfernt werden. Geht aber nicht so einfach!
2 Tage Arbeit bis die Welle ausgebaut ist.

Das Leben an Bord an Land stehend ist nicht lustig. Ständig muss man aus dem Schiff klettern, die Stehleiter hinabsteigen, zur Toilette laufen und zurück. Und das natürlich bei jedem Wetter. Ich helfe den Mechaniker so gut es geht, damit es schneller geht. Irgendwann reichts. Wir fahren wieder nach Gütersloh, waschen Wäsche, besuchen Margret und hören ätzende, doch auch verständliche Kommentare aus der Familie wie: „Wann reicht es euch denn endlich?“

Natürlich geben wir nicht auf und fahren einige Tage später wieder nach Sneek. Alles fertig. Zahlen. Probefahrt. Sch… das Geräusch ist immer noch da, nur etwas anders. Passieren kann nichts damit, denn der Propeller dreht sich jetzt ganz leicht. Also kein Risiko, sagen die Experten. Berlin ist jetzt gestorben, es bleiben nur noch 4 Wochen. Wir disponieren um auf eine große Hollandtour. Städte wie Haarlem, Den Haag, Delft, Rotterdam und Dordrecht liegen auf der von uns gewählten Route.  Geschichte, Kulturstätten und gegenwärtiges Leben, Essen und Trinken und hübsche Häfen. Was wollen wir mehr?

Urk am Ijsselmeer – Festmachen am Außenpier
Leuchtturm in Urk
Lauschige Übernachtungsplätze an kleinen Kanälen
Handbetriebene Pendelfähre auf einem unserer Spaziergänge
Nordfriesland – Kanäle ohne Randbefestigung
Wilde Pferde: Wir sind in den Niederlanden nicht in der Camargue!
Motorarbeiten immer mal wieder zwischendurch
Große Werften entlang der Kanäle in der Nähe von Groningen
Riesige bewegliche Brückenbauwerke in Leeuwarden
Auch ankern wir mal, hier im Markermeer vor Volendam
Zum Dinner und zurück geht es mit dem Dinghi in voller Fahrt
Haarlem – Ortsdurchfahrt
Haarlem Zentrum
Haarlem – Orgel mit über 5000 Pfeifen
Den Haag – Königspalast
Schweveningen
Rotterdam Skyline
Brückenarchitektur vom Feinsten
Rotterdam Down Town
Rotterdam Containerhafen
Rotterdam Markthalle, ganz modern
Dordrecht – Zentrum von Macht und Kultur im Mittenalter
Gewaltiges Brückenhebewerk in Dordrecht

Schöne Tage verbringen wir in den alten Städten. Wir schauen bei Königs in Den Haag vorbei, sehen den europäischen Gerichtshof, das Pier in Schevenigen, die Altstadt von Haarlem, Kanäle, Kirchen, Sehenswürdigkeiten, Rotterdam mit seinem beeindruckenden Schifffahrtsmuseum und dem größten Hafen Europas, Dordrecht mit den Quellen der Macht der Niederlande. In den letzten Tagen wird sogar das Wetter in diesem „Sommer“ mal besser und am Ende der holländischen Ferien ist es auch einfacher, einen Liegeplatz zu bekommen!

Also, die Reise geht weiter.  In 6 Wochen sind wir wieder zuhause. Wir freuen uns schon sehr auf ein Wiedersehen mit unseren alten Freunden!!

Bis dahin herzliche Grüße,

Bora Bora Team

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