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Auf nach Ijmuiden

Ihr Lieben zu Hause und auf den anderen Schiffen,
es ist Dienstagvormittag und wir fahren gerade von unserem Ankerplatz vor St. Anne nach Le Marin zum Tanken. Mit vier Leuten an Bord werde ich für diese Aktion nicht benötigt und so kann euch zwei Tage vor der Abfahrt noch ein kurzes Update mit ein paar Fotos schicken. Wie Christoph schon in seinem Testblog für die Überfahrt geschrieben hat, sagen wir ganz herzlich Dankeschön für die zahlreich eingegangenen guten Wünsche, die Hinweise zur Eierlagerung und zum Eierverzehr und natürlich auch für euer empathisches Mitfiebern. Wir alle haben uns sehr darüber gefreut und fühlen uns dadurch moralisch unterstützt!

Nach einigem Hin und Her haben wir uns gestern ein definitives Startdatum gesetzt: Donnerstag, 7.5.2020 nach dem Frühstück. Wir wissen, an einem Freitag startet man nicht zu einem größeren Törn (Solch wichtige seemännische Erkenntnisse gehören unbedingt beachtet, obwohl wir ja überhaupt nicht abergläubisch sind!), am Ausklarierungstag Mittwoch hat Boubou erst ab 10 Uhr geöffnet und wir brauchen dringend noch Eier mit einem längeren Haltbarkeitsdatum.

Obwohl wir immer noch recht gut beschäftigt sind, wird uns die Zeit allmählich lang. Tina und Bernd sind jetzt seit fast 7 Wochen hier, wir seit fast 4. Alle vier neigen wir inzwischen zu eindeutigen Übersprungshandlungen: Christoph checkt fünfmal täglich nicht nur einen, sondern 3 verschiedene Wetterberichte (obwohl wir ja ein Wetterrouting haben!), Bernd versucht schon mittags durch die Vernichtung von 2 Dosen Bier neuen Platz im Kühlschrank zu schaffen, Tina kocht solche Massen, dass eine 10köpfige Crew locker davon satt würde und ich räume regelmäßig Vorräte und andere Dinge von einem Ort zum anderen, weil es so vielleicht doch noch etwas praktischer sein könnte!

Bernd bringt es auf den Punkt: „Wird Zeit, dass wir endlich aufs Wasser kommen!“ Als ob wir da nicht schon wären!!! Aber jeder weiß, was gemeint ist.

Beim Abendessen gibt es täglich eine Lagebesprechung. Wir registrieren mit großer Freude und Erleichterung, dass sich die Erweiterung der Crew positiv auf unseren Umgang miteinander auswirkt. Während z.B. Christoph und ich doch eher genervt auf unsere jeweiligen Macken reagieren, lachen Tina und Bernd darüber und machen es so auch für uns leichter. Als Tina Bernd fragt, warum er beim Ölwechsel diesmal nicht ausgeflippt ist, meint er, das ginge ja hier auf der Ithaka nicht. Tina hat klargestellt, dass sie eine Co-Köchin nicht gewohnt ist und so drohe ich ihr immer, ihr beim Kochen zu helfen, wenn sie mir beim Abwasch helfen will. Mal sehen, wie das so weitergeht. Es bleibt spannend!!!

Der besonders aufregende Höhepunkt der Wartezeit war die Verladung der Festina Lente auf die Suomigracht. Die Fotos sprechen für sich und wir wollen sie euch auf keinen Fall vorenthalten!

Ladegurte werden befestigt mit Hilfe von Tauchern
Gewissenhaft kontrollieren
Heb an!
Schwenk rüber!
Fier weg und setz ab!
Weit ist der Weg nach unten ins abholende Dinghi
Mutig

Die kleine Verschiebung der Verladung und der aktuelle Wetterbericht hatten unseren Zeitplan etwas durcheinandergebracht. Hier in Frankreich kann man schon Tage vorher für einen bestimmten Termin ausklarieren. Hier in St. Anne klariert man ein und aus im Snack Boubou, einem Minirestaurant mit einem Computer in einem kleinen Nebenraum. Dort hatten Christoph und Bernd schon Mitte letzter Woche für Sonntag ausklariert. Boubou war etwas irritiert, als die beiden am Montag wieder dastanden und einklarieren wollten. Die Begründung mit technischen Problemen konnte er aber gut nachvollziehen.

Ein-/Ausklarieren unter Einhaltung der Schutzvorschriften

Dass sich die Beschaffung von 160 Eiern als eine solche Herausforderung entpuppen würde, hätten wir nicht gedacht. Am Samstagvormittag machen sich zuerst Tina und ich auf zum Einkaufen nach Le Marin. Zu Viert im Dinghi wären wir zu langsam und würden für die 2,5 Seemeilen mindestens doppelt so lange brauchen. Außerdem hätten wir nicht genug Platz für den geplanten Großeinkauf. Die 20minütige Fahrt gegen Wind und Welle lässt uns ziemlich durchnässt anlanden, aber wir sind noch früh genug dran, um ohne Wartezeit in den Supermarkt zu kommen. Die Einkaufsliste ist lang. Bei den Eiern angelangt, holen wir die Packungen von ganz weit hinten hervor. Ablaufdatum 24.5.! Das reicht nicht! In meinem aktuell besten Französisch (mein ehemaliger Lehrer würde sich im Grabe umdrehen!) flehe ich einen jungen Verkäufer an, doch mal im Lager nachzusehen, ob er noch welche mit längerem Haltbarkeitsdatum hat. Das macht er tatsächlich! Wir beobachten, wie er 4 weitere riesige Kartons aufschneidet …. Leider nein, alle mit Datum vom 24.5.!

Tina und ich beschließen, dass die 2. Hälfte der Eier von den Männern in einem anderen Supermarkt am anderen Ende von Le Marin besorgt werden muss. Wieder an Bord der Ithaka scheinen die beiden nicht ganz so begeistert von dieser Idee zu sein, denn das von ihnen angepeilte alkoholfreie Bier für die Überfahrt, das wir Frauen nicht mehr tragen konnten, gibt es nur im 1. Supermarkt. Mit Tinas Versprechen, anschließend für ein gutes Mittagessen zu sorgen, lassen sie sich dann doch motivieren. Nach einer Dreiviertelstunde kommt der Funkspruch von der portablen Funke auf Kanal 6: „Ithaka an Land für Ithaka, over“ und die Männer berichten von Eiern mit Haltbarkeitsdatum vom 25.5.! Mist! Wieder nix!

Bestimmt haben wir Ithaka zu doll gelobt; Bestzustand, keinerlei Probleme mehr usw.. Wie um uns zu ärgern, gibt der Generator beim Wassermachen plötzlich komische Geräusche von sich. Bernds fachmännisches Urteil: Impeller kaputt! Kühlwasserpumpe leckt! Der Impeller ist schnell erneuert, am Montagmorgen stehen Christoph und Bernd schon vor der Öffnungszeit um 10 Uhr vor der Chandlery an. In den Laden darf man nicht, einer nach dem anderen gibt seine Bestellung an der Tür ab und bekommt die Ware nach draußen gestellt. Öl ja, Kühlwasserpumpe nein! Und nun??

Die Wasserpumpe des Generators macht Ärger

Wir trösten uns so gut es geht mit der Vorstellung: Sie leckt ja nur, der Generator funktioniert mit dem neuen Impeller ja tadellos. Nur Christoph, immer auf maximale Sicherheit bedacht, bleibt unruhig. Da kommt ihm eine Idee: Von der Festina Lente holen wir den tragbaren Honda-Generator, probieren ihn auf der Ithaka aus und siehe da: Schon ist eine Notfallstromversorgung geschaffen, falls die Maschine doch ausfällt! Christoph ordert eine neue Fischer-Panda-Kühlwasserpumpe mit Bestimmungsort Horta/Azoren. Bis dahin wird der Generator schon durchhalten! Und falls nicht, werden die Batterien, die ganz wesentlich den Autopilot speisen, über den kleinen Generator geladen und wir können halt nur alle paar Tage oder mit Salzwasser duschen!

So, jetzt ist getankt und wir sind auf dem Rückweg zum Ankerplatz. Das Altöl ist entsorgt und überraschenderweise konnten wir an der Tankstelle sogar schon für Donnerstag ausklarieren. Für heute ist nur noch eine Waschmaschine voll Schweiß- und Salzwäsche angesagt! Und vielleicht doch noch die kleinen Supermärkte in St. Anne nach länger haltbaren Eiern absuchen!?!?

Tanken bis zum Rand voll – Schiffstank und 10 Kanister
Ausklarieren bei der Tankstelle – Das Ausklarierungdokument

Wie Christoph ja schon mit dem Testblog erfolgreich herausgefunden hat, können wir euch auch von unterwegs den einen oder anderen Lagebericht schicken. Wie schön zu wissen, dass ihr alle uns in Gedanken begleitet, auch wenn manche unserer Erlebnisse eure Vorstellungskräfte übersteigen, wie Monika heute schrieb.

Die letzten Telefonate nach Hause

Ewas angespannt, aber mit großer Vorfreude auf zuhause, ganz liebe Grüße von

Angela und der gesamten Ithaka-Crew

2 replies »

  1. Hallo Angela und Christoph,
    Wir wünschen Euch passenden Wind, kleine Wellen, haltbare Eier und viel Glück für Eure Heimreise.
    Susi und Franz/ SY Penelope, derzeit in Rosenheim

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  2. Liebe Angela, lieber Christoph, nachdem wir eure Geschichten der Anlandung in der EU und damit der Möglichkeit der Weiter-(Heim)Reise mit eurem Schiff mit großer Freude zur Kenntnis genommen haben, bleibt uns jetzt nur noch, euch einen gewogenen Neptun und einen friedfertigen Poseidon zu wünschen! Schließt bitte stets beide in eure Nachtgebete ein, dann kann auf der Atlantikquerung nichts passieren! Genug Eier habt ihr ja wohl! Möge Christoph etwaigen Wellengang gelassen ertragen! Euch allen auf der Ithaka: gute Winde und viel (!) Glück! Friedrich und Doro

    Von meinem iPhone gesendet

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