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2025 – Gewitter und zweimal Sonnenschein

Wiederum ein abwechslungsreiches Segeljahr, das uns diesmal zu den Sporaden und zur Südspitze des Peloponnes brachte. Gästecrews (Kinder und später Freunde jeweils mit Enkelkindern (2 Jahre)) schenkten uns zwischendurch Trubel und viel Freude, leider stellten sich aber auch ein paar Schlechtwetterfronten und vor allem Krankheit in den Weg. Im Januar begannen wir mit der Planung. Arbeitsaufträge für Bora Bora II wurden mit der Werft in Griechenland verhandelt.  Christoph fuhr im Januar sogar auf die Bootsmesse nach Düsseldorf, traf dort die Seglergemeinde und prüfte Möglichkeiten im Hinblick auf andere Marinas, neue Techniken und Trends. Es war aber abgesehen von den vielen netten Kontakten vom Inhalt her tendenziell nicht so gehaltvoll wie früher. Die Branche lahmte irgendwie. Hoffentlich wird das 2026 besser.

Anfang Mai ging es dann los. Ziel waren die Sporaden, insbesondere die Inseln Skiathos und Skopelos. Wie jeder Segler weiß, verzögerte sich das Leinen-los-Manöver natürlich. Diesmal warteten wir eine Woche auf den Einbau eines neuen Windgebers. Die ersten Schläge waren dann unter Zeitdruck länger als geplant, denn wir wollten ja pünktlich zur Ankunft der Kinder in Volos sein. Erst ging es durchs ionische Meer nach Süden, dann nach Osten durch den Golf und Isthmus von Korinth, an Athen vorbei rund Kap Sounion und dann direkt nach Norden durch den Golf von Euböa.

In Chalkida, der Engstelle des Golfs von Euböa, müssen wir die alte Brücke passieren, die Euböa mit dem Festland verbindet. Tagsüber herrscht hier ein gewaltiger Tidenstrom, in dem Kajakfahrer zwischen Torstangen trainieren. Nur einmal am Tag irgendwann zwischen 22 und 3 Uhr hört der Tidenstrom für kurze Zeit auf. Dann und genau dann dürfen die auf beiden Seiten wartenden Schiffe passieren. Nach der Voranmeldung und Begleichung des Brückenzolls bei den Behörden sitzen wir ab 22 Uhr am Funk und warten darauf, mit Namen aufgerufen zu werden und in festgelegter Reihenfolge die geöffnete Brücke zu passieren. Heute werden um 23.30 Uhr die ankernden Segelschiffe aufgerufen, sich vorzubereiten. Etwas angespannt gehen wir Anker auf und passieren um Mitternacht die Brücke ganz ohne Probleme.

Kanal von Korinth
Zahlquai Kanal von Korinth (rund 300€ pro Passage)
Poseidon Tempel
Brücke von Patras (Verbindung Festland mit Peleponnes)
Kap Sounion (südlich von Athen) mit Poseidon Tempel
Brücke von Chalkida

Weiter geht es bis Volos im Norden, wieder mit relativ langen Schlägen in günstigen Wetterfenstern. Dort müssen wir dringend zum Arzt, denn Christophs brennende und juckende Schmerzen am Rippenbogen werden immer schlimmer. Der sehr kompetente und dazu auch noch deutsch sprechende Arzt (im Wartezimmer lag das westfälische Ärzteblatt!) diagnostiziert eine Gürtelrose, die sich unbehandelt zu einer Zoster-Neuralgie entwickelt hatte, was heftige Nervenschmerzen auslöste. Schon unterwegs konsultierten wir Ärzte zuhause per Fotos, bekamen aber nicht die richtige Diagnose. Dr. Topalidis verordnet Christoph bedingungslose Ruhe, Nervenvitamine und Morphium zur Linderung der Schmerzen und empfiehlt, das Schiff in Volos zu lassen und nach Hause zu fliegen.

Aber der Skipper ist sich sicher, dass ein provisorisch in einem Industriehafen abgestelltes Boot zuhause bestimmt nicht zu seiner Ruhe und Genesung beitragen wird. So entscheiden wir uns zu bleiben. Wir freuen uns natürlich auch schon auf den ersten Besuch unserer fast zweijährigen Enkelin Lotta mit Eltern an Bord und planen kurze Schläge mit vielen Erholungspausen für Christoph, aber auch die Crew. Glücklicherweise ist das Wetter bis auf wenige Gewitter ganz ruhig. Wir steuern Ziele mit Strand im und um den Golf von Volos an. Lotta hat Zeit zum Laufen und Spielen, Christoph steuert nur von A nach B und ruht sich sonst aus. Nur zum Essen geht er mit von Bord, immer etwas gedämpft durch das Morphium.

Lotta

Lotta mit Eltern Marthe und Jonas

Nach einer Woche gehen Kinder und Enkeltochter in Volos wieder von Bord.

Christophs Schmerzen lassen nach, wir machen ein paar längere Schläge und laufen u.a. Skiathos auf den Sporaden an. Die Insel empfängt uns nicht so ganz freundlich. Zunächst verklemmt sich in einer wunderschönen Bucht beim Ankern unsere Kette unter einem Felsen. Da wir bei Sonnenuntergang von Bord nicht unter Wasser sehen können, kommt Angela nur halb freiwillig zu ihrem ersten erfrischenden Bad der Saison. Mit Schnorchelbrille dirigiert sie Christoph so, dass die Ankerkette nach einigen Kreisen freikommt.

Auch im Hafen von Skiathos haben wir nicht so viel Glück. Nachts kommt heftiger Wind auf und drückt die Boote rückwärts gegen den Steg und gegeneinander. Wären wir doch nur vor Anker geblieben! Unter Motor müssen sich die Schiffe vom Steg freihalten, können aber nicht ablegen, weil sie sich sonst in den Ankerketten der Nachbarlieger verfangen würden. Auch die vielen nicht so geübten Skipper der Charterboote müssen die Situation durchstehen, bis am Mittag der Wind nachlässt und Schiff nach Schiff mit Hilfe der anderen Besatzungen ablegen kann.

Vielleicht war das alles zu viel für Christoph, seine Schmerzen eskalieren und die Nervenschmerzen verlagern sich vom Rumpf auf den Ischiasnerv. Er kann vor Schmerzen kaum noch laufen und auch ein Bein gehorcht ihm nicht mehr so recht. Wiederum haben wir Ärzte-Glück, denn ein niedergelassener Orthopäde auf Skiathos verordnet ihm zusätzlich intramuskuläre Injektionen gegen die Schmerzen. Angela erinnert sich an unsere „medizinische Ausbildung“ vor dem Atlantiktörn und verabreicht Christoph täglich fast schon routiniert seine Spritzen. Vielen Dank nochmals an unseren Hochseesegelverein TransOcean und unseren Mediziner-Freund Stefan für die Ausbildung damals!

Wir legen uns in die nächste Bucht vor Anker und freuen uns, dass Christophs Schmerzen langsam über die Tage nachlassen. Die nächsten Gäste warten ohnehin schon in wenigen Tagen auf ihr Onboarding. Wir schalten um auf Schongang und motoren langsam zurück in den Euböa-Golf. Keine Aufregung, kein Stress, kein Schwitzen, keine körperlichen Tätigkeiten ist die Devise.

Leo mit Eltern Melanie und Tammo

In der wohlklingenden Buch Agios IoannisTheologos nehmen wir schließlich unsere Freunde Melanie und Tammo mit unserem Bonus-Enkel Leo an Bord. Wir wollen nochmal unter besseren Vorzeichen auf die Sporaden. Bei Vollmond und Flaute geht es dann in der Nacht zurück Skiathos. Nach einer Wache in Doppelbesetzung hat Melanie verstanden, worum es geht und übernimmt die nächste Wache gleich alleine. Vollmond und ein guter Radar ermöglichen ihr, geschickt um die Fischer herumzusteuern.

Schöne Tagen auf den Inseln in Skiathos und Skopelos folgen. Christophs Zustand verbessert sich auch wieder.

Insel Skopelos mit dem bekannten Felsen mit Kapelle aus dem Film Mamma Mia

Das Beiboot wird in Anlehnung an den Bootsnamen „Bora Bora“ von den Enkelkindern auf den Namen „Dinghy Dinghy“ getauft. Die lila Ente ist ein Muß bei jeder Fahrt.

Wir waren erstaunt wie unterschiedlich die beiden fast gleichaltrigen Enkelkinder das Bordleben erlebten. Lotta liebte es, mit Christoph am Steuerstand zu sitzen. Neugierig schaute sie nach anderen Schiffen und redete die ganze Zeit. Zu ihrer Unterhaltung ritt sie auf dem „Segelpferd“, der aufgesteckten Winschkurbel auf der Winsch. Ständig fragte sie: “Was ist das? Und das?“ Höchste Freude hatte sie, wenn Bora Bora II wackelte.

Leo hingegen interessierte sich eher für das Technische, z.B. dafür wie die Winsch mit der Winschkurbel funktionierte. Zufrieden war er erst, als eine Leine um die Winsch gewickelte wurde und er verstand, dass die Leine damit bewegt wurde. Aber reiten auf dem „Segelpferd“, nein, das kam für ihn nicht in Frage! Die kunstvollen Sprünge seines Vaters vom Dach des Katamarans ins Wasser beeindruckten ihn kaum. Viel lieber untersuchte er, wie er die Wassereimer am Heck am besten mit Wasser füllen konnte: Mit Gießkanne, Schaufel oder kleinem Eimer? Gerne schwamm er nur mit kleinen Schwimmflügeln mit seinen Eltern im Wasser.

Eine schöne und turbulente Zeit mit den Gästen und vor allem natürlich mit den Minis, die immer wieder kleine Überraschungen für uns bereithielten. Sie waren beide ein wirklicher Sonnenschein für uns.

Als auch die „Bonuscrew“ von Bord geht, machen wir uns auf den Weg zurück nach Preveza. Schon jetzt im Frühsommer pfeift der Meltemi heftig in der Agais. Da der Skipper immer noch nicht voll einsatzfähig ist, beschließen wir, wieder den sicheren Weg durch den Euböagolf und den Golf von Korinth zu nehmen. Aber gleich im Golf von Euböa herrschen wider aller Forecasts zum Teil heftige Winde, natürlich schräg von vorne. Entsprechend ruppig wird die Fahrt auf dem Katamaran. Die atlantikresistente Co-Skipperin wird seekrank! Gut, dass wir keine Gäste mehr an Bord haben!

Langsam wird es nun auch heiß auf dem Peleponnes, was einige wirklich böse Gewitter mit erratischen Zugbahnen auf den Plan bringt. Während wir Bora Boras Anker bei allen Bedingungen vertrauen, machen uns des Öfteren die Anker der Nachbarlieger Sorgen. Wir hatten kaum ein Gewitter, wo nicht irgendein anderer Anker ausbrach und das Schiff unkontrolliert durch die Bucht driftete. Kollisionskurs oder nicht? In heftigsten Böen mussten wir einige Male Anker auf gehen. Und wir hatten viele Gewitter!

Auf der Rückreise wird Christoph schrittweise wieder ganz gesund. Spritzen und Morphium werden abgesetzt. So kann auch er die letzten Tage genießen und sich erholen.

In Preveza angekommen setzen wir Bora Bora II an Land und fliegen für den heißen und vollen Hochsommer nach Hause in die Berge.  

Der Sommer verläuft ruhig. Christoph kann sich vollständig erholen. Das Nachschwingen der Erlebnisse bei den beiden Enkelkindern ist schön mitzuerleben. Immer wieder hören wir „… wie auf der Bora Bora…, wie mit Dinghi Dinghi…“.

Im September fliegen wir wieder nach Preveza. Alles ist gut vorbereitet und funktioniert reibungslos. Aber wie immer brauchen wir 3 Tage, bis das Schiff wirklich segelfertig ist. Die Winde wehen beständig aus Nordwest und bringen uns rasch und ohne Umwege zur Südspitze des Peleponnes.

Erfreulicherweise nimmt die Anzahl der Boote ab, je weiter wir in den Süden kommen. Im südlichen ionischen Meer erschlugen sich die Chartercrews fast auf der Suche nach günstigen Anker- und Hafenplätzen. Zeitweise glich das Meer den oberbayerischen Seen am Sonntag, wo ein Boot neben dem anderen ist bzw. in der Flaute steht.

Schließlich runden wir das westliche Kap des Peleponnes und segeln nach Kalamata, dorthin, wo die besten Oliven wachsen. Mit dem Auto erkunden wir den Peleponnes, tauchen ins griechische Altertum ein und besuchen Olympia und Messene. Wir sind dabei praktisch alleine, was unser Erlebnis noch schöner macht. Wir grübeln, wie es damals war und warum die Griechen diese historischen Stätten aufgegeben hatten. Das Internet gibt uns viele Antworten. Olympia erleben wir mit Virtual Reality Brillen und Headset, die Gebäude und Leben damals erstehen vor unseren Augen. Sehr spannend!

Aphaia Tempel auf der Insel Aegina

Ausgabungsstätte Messene nördlich von Kalamata

Ausgrabungsstätte Olympia (Westseite des Peleponnes)

Starker Meltemi und wiederum der Zeitdruck, die Kinder und Enkeltocher Lotta pünktlich an Bord zu nehmen, gibt uns diesmal nicht die Möglichkeit, den Peleponnes komplett zu umrunden. So kehren wir um und müssen jetzt gegen den Nordwest zurück nach Norden. Da morgens kaum Wind ist, kommen wir in den Morgenstunden gut unter Motor voran und suchen uns dann ab Mittag eine schöne Bucht. Wir sind in der Tat praktisch alleine, was alles sehr einfach macht.

Besorgt schauen wir auf den Wetterbericht. Ein Wettersturz kündigt sich an. Gewitter, Temperaturrückgang um 15 Grad und Dauerregen sagt Windy mit fast 100% Sicherheit voraus. Gar nicht schön, besonders für Gäste an Bord. Irgendwie müssen wir schauen, dass wir einen Hafenplatz bekommen. Denn drehende Winde und Gewitter sind bei den offenen Buchten im südlichen Ionischen Meer nicht günstig.

Wir bekommen einen Platz im Hafen von Paleros und versehen das Cockpit unseres Katamarans mit dem Regenschutz. So können wir auch bei Dauerregen den gesamten Platz nutzen. Nur 3 Sonnentage bietet uns die Woche mit Familie an Bord. Am wenigsten gestört durch Regen und Kälte fühlt sich Lotta. „Opa, Brücke bauen!“, fordert sie regelmäßig und dann geht es über die Gangway entweder zum Schaukeln auf den Spielplatz, wo die Regentropfen im Gesicht kitzeln. Oder sie spielt mit Eimer, Schaufel und Förmchen statt am Strand halt in den Pfützen vor dem Boot. In dem schlechten Wetter ist sie der absolute Sonnenschein.

Zurück in Preveza geht die Crew von Bord und Bora Bora wird nach heftigem Gewitter in einem günstigen Wetterfenster ausgekrant und für die nächsten 7 Monate an Land gestellt.

Bora Bora II funktionierte das ganze Jahr zuverlässig. Wir lernten sie immer besser kennen und können mittlerweile noch viel besser abschätzen, wieviel und welche Segel und wieviel Motor sie in den unterschiedlichen Wind- und Wellenbedingungen braucht. Der spektakulärste Schlag war aus dem Golf von Korinth heraus nach Westen, direkt hinter uns die gewaltige Brücke von Patras. Bei 6-7 Beaufort achterlichem Wind und ordentlicher Welle segelten wir höchst komfortabel und bewunderten die Landschaft und Wetter. Es war ein seglerischer Hochgenuss.

Mehr dann in 2026….

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