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Reboot tut immer gut

English version further down…. Es windet schon seit Tagen kräftig mit 25 Knoten (6 Beaufort) und die vielleicht 500m vom Strand bis zu unserem Ankerplatz genügen, um eine Windwelle mit leichten Schaumkronen zu erzeugen. Ithaka schwoit zum Teil mächtig hin und her, denn über die Hügel der Bucht kommen Fallböen aus unterschiedlichen Richtungen. Wir liegen in der Road Bay vor Anguilla, einer kleinen Insel nur wenige Seemeilen nördlich der bekannten französisch/holländischen Insel St Martin/Sint Maarten.

Anguilla – Road Bay
Anguilla – klein und nett
Mächtige Lobster
Moderne meets Classic
Wir sind auf Warteposition für unseren neuen Propeller
… und genießen die Zeit

Wir haben uns hierher verlegt und warten auf einen neuen Faltpropeller, der aus Dänemark per Flugfracht nach Sint Maarten kommen soll.

Ich halte den Film kurz mal an und spule etwas zurück:
Im November mussten wir in Carriacou weit im Süden der Antillen einen Notstopp einlegen und den defekten Gori-Faltpropeller durch den im Schiff vorhandenen Festpropelle ersetzen. Seitdem motoren und segeln wir mit diesem Propeller, was ganz gut funktioniert. Gewisse Auffälligkeiten beim freien Drehen des Propellers bzw. Blockieren desselben beim Segeln durch Einlegen des Rückwärtsgangs lassen mich aufmerksam werden. Ich recherchiere und recherchiere …….  

Das Ergebnis ist einfach unfassbar! Es stellt sich heraus, dass Getriebe und Wellenlagerung gar nicht für den Betrieb mit einem Festpropeller gemacht sind. Das Getriebe (Kanzaki Yanmar) darf nicht eingekuppelt werden, um die Propellerwelle beim Segeln zu stoppen. Jedoch darf die Wellendichtung (ProfiSeal) nicht durch eine frei drehende Welle beim Segeln belastet werden, da die Schmierkühlung u.U. nicht immer gegeben ist. Also müssen wir einen Falt- oder Verstellpropeller montieren, sonst risikieren einen massiven Schaden an einem der beiden Komponenten.

„Warum ist dann ab Werk ein Festpropeller an Bord ohne irgendwelche Sicherheitshinweise???“, fragt sich der Eigner und rauft sich die allerletzten Haare aus. Wir müssen also unseren alten Propeller reparieren oder einen geeigneten neuen Propeller kaufen, bevor es weitergeht.

Unsere alten Segelfreunde Claus und Ulla von der SY Soleo, einer Hallberg-Rassy 48, haben viel Erfahrung mit dem Gori Faltpropeller und wir stehen in regem Austausch. Die beiden sind zu Hause in Deutschland und Soleo ist im Winterlager. So hat Claus die Zeit und Energie, sich in der segellosen Zeit ganz in unsere Problematik zu vertiefen. Was für ein Glück für uns! Fotos werden ausgetauscht, wir analysieren gemeinsam, ob der alte Faltpropeller repariert werden kann. Wir ziehen den Hersteller in Dänemark hinzu. Die Situation ist nicht sicher. Der Zeitraum für den Transport nach Dänemark, Reparatur und Rücksendung würde mindestens 6 Wochen beanspruchen. Die Kosten unklar. Vermutlich bis 60% des Neupreises plus Transportkosten.

Wir liegen ein paar Tage in einer Marina in Sint Maarten. (1,95 USD pro Fuß Schiffslänge Liegegebühr) Die Ankerplätze draußen in der Simpson Bay waren bei widerwärtigen Winden mit grässlichem Schwell wirklich nicht zu ertragen. Und dann fällt zu allem Pech auch noch der Generator aus! Natürlich lädt er nicht nur die Batterien, sondern versorgt gerade auch die Waschmaschine mit Strom. Die Skipperin findet das nicht witzig. Schnell baue ich noch einen Landstromadapter vom US- System (220V, 4 polig mit 60 Hertz) auf unser EU-System (230V, 3 polig, 50 Hertz), damit wenigsten die Batterien durch den Landstrom geladen werden können. Ich bin stolz auf mich. Die Waschmaschine geht trotzdem nicht, die amerikanischen 60 Hertz will sie nicht.

Angela ist fassungslos, dass die ortansässige Wäscherei auch die nasse Wäsche nach Gewicht berechnet und sie 24 USD für eine einzige Waschmaschinenladung zahlen muss!  Die Lösungsfindung für den defekten Generator dauert 3 Tage, denn neue Komplexitäten unseres Fischer Panda, die nicht (!) im Handbuch stehen, lassen mich lernen: Es gibt eine Öldrucksensorsensitivitätsschraube mit der man den Öldruck einstellen kann, bei welchem die Maschine aus Sicherheitsgründen abschaltet. Alle Filter werden ersetzt, das Öl gewechselt, neue Relais eingebaut und der Öldrucksensor neu eingestellt. Ich bin schlauer und das Ding schnurrt wieder. Meine Co-Skipperin ist stolz auf mich, was natürlich immer eine ganz gute Sache ist!

Nach Abschluss dieser 3 stressigen Tage und einer mit Generator wieder funktionierenden Waschmaschine geht es weiter mit dem Propeller. Die Reparatur scheidet aus Zeit- und Kostengründen schließlich aus. Der Hersteller zeigt sich sehr kooperativ und wir bestellen über den amerikanischen Importeuer einen neuen Gori-Propeller. Eigentlich nicht unsere erste Wahl mit den ungünstigen Erfahrungen in der Vergangenheit. Aber Lieferbereitschaft, Preis und die einfache technische Abwicklung sprechen sehr für sich.

Bis zu diesen neuen Herausforderungen hatten wir einige schöne und stressfreie Tage mit vielen neuen Eindrücken auf den Inseln St. Kitts, Nevis und St. Barth. Letztere kennt Frau ja aus den Zeitschriften beim Friseur, denn da urlauben die Reichen und Schönen.  

St.Kitts:
St. Kitts ist einer der Hotspots der Kreuzfahrtbranche. 1 Million Kreuzfahrttouristen pro Jahr, so steht es auf großen Straßenplakaten. Gleich vor dem Kreuzfahrtquai im Hauptort Basseterre ist ein großes Shoppingviertel, alles Duty-Free. Uhren, Schmuck, Markenkleidung, Nippes, Andenken, Bars.  Die Verkäufer stürzen sich auf die Leute, die von den Schiffen kommen und belabern sie. Eigentlich müsste man uns doch ansehen, dass wir nicht dazugehören! Sie versuchen es trotzdem, Pech für sie! Zum Einklarieren ankern wir vor einem kleinen Hafen mit Ausflugsbooten neben den Kreuzfahrtquais. Jeden Tag 4 Riesenschiffe gleichzeitig. 2000 – 3000 Gäste an Bord, googeln wir. Zwischen 5 und 6 Uhr abends legen die Schiffe ab. Dann ist Ruhe und die Geschäfte machen dicht. Gespenstisch. Einige Straßenzüge weiter sind wir in einer völlig anderen Welt. Faszinierend. Die Locals sind hier. Es wird gegrillt, getrunken, gekifft und getanzt. Dort finden sich keine Touristen, nur wir, und wir sind willkommen. Angela freut sich über die andere, authentische Karibikwelt, die völlig entspannte Atmosphäre und tanzt mit.

Geschäftsviertel für die Kreufahrttouristen
Auch orginelles ist dabei
Man(n) spielt Domino zum Zeitvertreib
Es wird getrunken, gekifft und getanz
Wir sind willkommen
Ziemlich zugeknallt…
Angela tanzt… nach ein paar Bier
Alte Bauten aus der Kolonialzeit in Basseterre

Südlich von Basseterre befinden sich dann die Hotel- und Yachtresorts. Die White House Bay hat es uns angetan: Klares Wasser, ein kleiner Sandstrand, eine schöne Umgebung mit grünen Hügeln und eine stylische Strandbar, die zum Teil auf einen großen Holzsteg ins Wasser gebaut ist. Dort genießen wir die Sonnenuntergänge und die gedämpfte Live-Musik, die auch noch ein Gespräch mit anderen Seglern oder den Hotelgästen aus den nahen Luxushotels zulässt. Neben uns ankert wieder der “Maltese Falcon“, der einzige moderne Rahsegler, eine Luxusyacht der Superlative. Oft schon sind wir ihm auf unserer Reise begegnet.

Gepflegtes Sundowner Ambiente mit Publikum von Yachten und Luxusresorts
The Maltese Falcon – ein moderner Rahsegler – Wir treffen sie in St. Kitts wieder. Reparatur auf der zweiten Rah.

Eine Attraktion von St. Kitts ist die alte Eisenbahn, die auf mittlerweile höchst wackligen Schienen früher das Zuckerrohr vom Norden der Insel in den Hauptort Basseterre gebracht hat. Wir buchen eine Fahrt mit diesem Zug und schaukeln im Schritttempo rund um die Insel, quer durch Felder und entlang der Küste. Herrlich, diese alte Eisenbahnromantik. Von der Zugbegleiterin erfahren wir nebenbei viel über die Insel und ihr besonders ausgeprägtes Sozialsystem. Schon nach der Abschaffung der Sklaverei wurden Ansiedlungen mit kleinen Häuschen für die nun freien Arbeiter gebaut und wenn sie 7 Jahre regelmäßig eine geringe Miete bezahlt hatten, gingen die Häuser in ihren Besitz über. Bildung hat auf St.Kitts und Nevis einen sehr hohen Stellenwert. Wenn ein Kind zum Beispiel 2 Tage nicht in die Schule geht, wird es am 3. Tag von der Polizei dorthin gebracht. Es gibt die verschiedensten Schultypen inklusiv bestimmter Universitätsfakultäten und eine kostenlose Kinderbetreuung mit warmem Mittagessen für alle Kinder von 3 Monaten bis 16 Jahren. Daran kann sich so manche Industrienation ein Beispiel nehmen!

Eine alte Bahn, die frührer Zuckerrohr transportiert hat
Querfeldein rund um den zentralen Vulkan
Eine Draisine fährt dem Zug voraus und schaut, dass nichts im Weg liegt
Kinder freuen sich und laufen neben dem Zug her
Die Brücken schauen nicht sehr solide aus
Kirche auf dem Weg; dahinter der Atlantik mit Flaute, was ungewöhnlich ist

Nevis:
Mit dem Schnellboot fahren wir in 30 Minuten zur Nachbarinsel Nevis. Beide Inseln zusammen bilden einen Staat, was den Bevölkerungen ursprünglich gar nicht gepasst hat. Angela erinnert das an die bayerische Gebietsreform mit Eingemeindung von Pöring nach Zorneding oder den Zusammenschluss von Egmating und Oberpframmern! Nevis ist ursprünglicher und deutlich weniger touristisch als St. Kitts. Ein Vulkan in der Mitte und rundherum auserwählte Luxushotelresorts, die wunderschön aus alten Plantagenherrenhäusern gebaut sind. Sogar Prinzessin Diana soll hier wiederholt gewesen sein. Wir machen eine Inseltour per Taxi, aber nach dem 3 Luxusresort haben wir genug gesehen. Wir mischen uns etwas unter das Volk. Hier gehen die Uhren noch langsamer als sonst in der Karibik.

Mit dem Schnellboot von St. Kitts nach Navis
Nevis mit seinem zentralen kegelförmigen Vulkan
Alte Plantagenanlagen umgebaut in Luxushotels
Geschmackvoll umgebaut. Prinzessin Diana soll hier auch schon gewesen sein.
Urwalt direkt neben an
Die Locals sind freundlich und aufgeschlossen
Lunch am Strassenrand

St. Barth:
Nach einigen Tagen geht es 45 sm weiter nach St. Barthelemy, kurz St. Barth. Die Insel ist luxuriöser als alles, was wir bisher gesehen haben. Hinter dem Quai mit den Megayachten eine Einkaufsstraße, die es locker mit der Maximilianstraße in München aufnehmen kann. Nur erlesene Geschäfte vom Feinsten, alles wird steuerfrei angeboten.  Ein kleiner Flughafen mit einer stattlichen Zahl von Privatflugzeugen; der Weg zur Yacht ein paar Minuten mit dem Auto, der in die nächste exquisite Strandbar nur ein paar Schritte. Der Flughafen ist spektakulär und nichts für Flugscheue. Der Anflug erfolgt über eine Anhöhe im Beinahe-Sturzflug auf die Landebahn oder über den Strand neben besagter Strandbar. Sowohl auf dieser Anhöhe als auch am Strand hat man das Gefühl, ins Gestell des Flugzeugs greifen zu können.

Port Gustavia auf St.Barth
Shopping nur vom Besten und Feinsten in St.Barth
Airport St.Barth – spektakulär
Die High Society luncht direkt an der Startbahn und schaut den Privatjets nach

Wir sind mit dem Quad unterwegs. Die Insel ist wunderschön grün mit Postkartenstränden und kleinen Bergen. Alles ist sauber und gepflegt, alle Straßen asphaltiert und ohne große Schlaglöcher, was wir inzwischen gar nicht mehr gewohnt sind.

Wir fahren Quad und düsen um die Insel
Bestes Wetter und gute Laune in St.Barth
Traumbuchten auf St. Barth

In eben erwähnter Strandbar mischen wir uns unter die Reichen und Schönen, bei denen es Champagner und Lobster zum Lunch gibt. Wir begnügen uns mit einer einfacheren Variante, Qualität und Kosten sind überaus exquisit! Das elegante Strandoutfit der langbeinigen Schönheiten könnte man auch als Abendkleider tragen. Am nächsten Tag legen wir noch einen Bojenstopp im Norden der Insel ein. Ankern ist hier verboten, um den Meeresgrund zu schonen. Das wird belohnt; beim Schnorcheln grasen unter uns die Schildkröten und wir sehen so viele Fische rund um das Boot schwimmen wie selten zuvor.

Wasserschildkröten
Korallen, leider nur teilweise noch lebend. Vieles ist abgestorben

St.Martin:
Weiter geht es nach St. Martin/St. Maarten, halb französisch, halb niederländisch. Wir sind schon sehr gespannt, da uns diese Insel stets als Zentrum der Segler angepriesen wurde mit Einkaufsmöglichkeiten von Ersatzteilen und Bootsbedarf wie sonst nirgendwo. Dazu gäbe es eine Auswahl an Werften, die alle Probleme an Bord beheben könnte – wie schön!  Vor Philippsburg im niederländischen Teil begegnet uns die AIDAdiva. Wir sind auf Kollisionskurs und wir haben eindeutig Vorfahrt. Der Kreuzfahrer hätte Platz zum Ausweichen, nur ein paar Grad. Jetzt probiere ich es mal! Ich funke sie offiziell an und frage ganz professionell: „What is your intention? Can I pass in front of you?“ (Was ist ihre Absicht? Kann ich vor Ihnen passieren?) Die Antwort:“ We would appreciate you pass our stern.“ (Es wäre gut, wenn Sie unser Heck passieren würden.) Hmmh!?! Ich wäge nochmal kurz unsere 21 Tonnen gegen diesen Koloss von 250m ab und antworte, dass dies sicherlich eine gute Idee wäre. Wir wünschen uns gegenseitig weiterhin eine gute Fahrt und einen schönen Tag. Immerhin haben die mir geantwortet. Ist ja auch schon was, oder?

Wir weichen aus und passieren das Heck der Aida,

Bei sehr frischen Winden und relativ viel Schwell ankern wir zunächst in der Marigot Bay im französischen Teil der Insel.  Die Bucht ist sehr flach und mit unseren 2,20m Tiefgang können wir uns nicht so weit in die Bucht verholen, um ganz geschützt zu liegen. Mit dem Dinghi fahren wir in die Marina, um uns nach den Liegegebühren zu erkundigen. Wir lernen, dass wir erst einmal einen schriftlichen Antrag auf Reservierung stellen müssten, bevor man uns weitere Auskünfte gibt. Dann eben nicht! Mit dem Dinghi kommen wir aber problemlos unter der Brücke hindurch in die große Lagune, die sich über beide Teile der Insel erstreckt. Wir sind entsetzt. Alles ist heruntergekommen, die Lagune, aber auch der Küstenstreifen ein einziger Schiffsfriedhof, abgewirtschaftet. Die Spuren, die die beiden Hurrikans Irma und Maria vor zweieinhalb Jahren hinterlassen haben, sind hier überall ersichtlich. Aber auch sonst gleicht alles eher einem Schrotplatz. Eine funktionierende Werft finden wir nicht. Im Hafenführer stand irgendwas von morbidem Charme, was eine positive Umschreibung sein könnte. Der Liegeplatz in der Marigot Bay – unruhig. Das passt nicht. Wir motoren zurück zur niederländischen Seite.

Dort ist die Simpson Bay ist auch extrem unruhig. Wir entscheiden uns in eine Marina zu gehen. Herrlich!  Endlich Ruhe im Schiff und kein heftiges Schwanken. Eine gut funktionierende Infrastruktur mit hervorragenden Schiffhändlern, deren Größe und Auswahl jede deutsche Chandlery verblassen lässt. Luxusyachten überall. Restaurants mit Stil, aber nicht übertrieben. Supermärkte mit fast allem. Teuer allemal.  Mit Martina und Daniel machen wir eine Inseltour, eher auf der Jagd nach Ersatzteilen für Vairea und Ithaka als nach nachhaltigen Inselerlebnissen. Landschaftlich gefällt uns der französische Teil dann aber doch besser als der holländische.

St. Martin / französischer Teil im Osten zum Atlantik
Der spektakuläre Strand von Sint Maarten. Den Girls sollen die Tops wegfliegen, wenn so ein Flieger startet, sagt man(n). Wir schauen es uns an, aber das stimmt nicht.
Die Ankunftszeit der Flieger werden in der Bar angezeigt
Nett aber verlassen. Vieles ist „reparaturbedürftig
St.Martin / französischer Teil. Die Sitzecke einer zentralen Bar am Strand in bester Lage. Morbider Charme oder Müllkippe?
Die Brückendurchfahrt in die Lagune von St.Maarten. Eng. Das kaputte Betonteil im Vordergrund, war mal das Brückenwärterhäuschen. Wurde aber von einer Superyacht abrasiert.
siehe YouTube: https://youtu.be/cyoCZQfpuFM

Über all dem Treiben und den Erlebnissen auf den Inseln liegt seit Wochen ein Schatten. Seit November geht es Angelas Mutter plötzlich gar nicht gut, obwohl sie bei unserem Besuch im September noch richtig fit war. Schwester Bettina kümmert sich engagiert und souverän um sie, hat aber in ihrem Leben noch einige andere Herausforderungen zu meistern. Die Situation ist immer nur kurzfristig stabil. Wir sind im ständigen Kontakt. Sehr belastend ist es für Angela, wenn die Kommunikation mal wieder nicht funktioniert. Egal, wo wir uns befinden, immer haben wir im Kopf, wo wir im Notfall das Schiff gut unterbringen und nach Hause fliegen könnten. Angela erwägt wieder und wieder, von St. Maarten zurückzufliegen. Nur für eine Woche oder zwei. Hier vor Ort kreisen unsere Sorgen um einen neuen Propeller. Geradezu grotesk, aber ohne das Teil kann es nicht weiter gehen.

Wir ziehen Bilanz der letzten 12 Monate. Von Februar bis Februar. Tolle Karibik(segel)erlebnisse, Angelas vollständige Genesung und wunderbare Begegnungen mit anderen Menschen, unter denen wir auch echte Freunde gefunden haben. Wir haben unseren Horizont erweitert, wie wir es uns auf die Fahnen geschrieben hatten. Nicht nur nach außen, auch in uns selbst. Dennoch hatten wir auch – in der Sprache meiner ehemaligen Berufswelt – viele Systemabstürze. Sehr viele, beginnend im Februar 2019 mit dem Tod meiner Mutter und Angelas OPs! Wir haben enorm viel dabei gelernt, aber es hat Resourcen gekostet. Wenn wir nach vorne schauen, dann wissen wir, dass die Sorge um Angelas Mutter nicht vorbeigehen wird. Wir wollen da sein, wenn wir gebraucht werden. Das ist von hier aus schwierig und teuer. Was tun???

Wenn ein Computer regelmäßig Systemausfälle und -abstürze produziert, muss man das System herunterfahren und neu starten. „Reboot tut immer gut“, hat mir mein geschätzter Kollege vom IT Support der SAP Schweiz immer wieder eingetrichtert.  Speicher- und Register werden heruntergefahren, gelöscht und neu gestartet mit den ursprünglichen Parametern.

Nach vielen Überlegungen und Diskussionen haben wir uns jetzt entschieden, genau das zu tun. Wir werden „rebooten“. Wir gehen zurück zum Ausgangspunkt, nach Europa und werden uns neu orientieren. Wir beenden unsere Atlantiktour und beginnen von vorne, anders. Anfang Mai werden wir in einem hoffentlich günstigen Wetterfenster Richtung Osten zurück über den Atlantik segeln. Vorher ist dies wegen der Winterstürme über dem Nordatlantik nicht möglich.

Noch wissen wir nicht, wohin es uns dann verschlagen wird, ins Mittelmeer, an die europäische Atlantikküste oder nach Nordeuropa. Es gibt noch so viel zu erkunden. Ithaka bleibt unser Zuhause. Aber das Wichtigste ist, wir haben kurze Distanzen und kurze Flugverbindungen nach Deutschland. „Dann wird nicht mehr so furchtbar viel Wasser zwischen uns sein“, hat Angelas Mutter so schön gesagt.

Ende der Woche geht es zurück nach St. Maarten in die Werft. Der Termin für den Kran und die Arbeiten am Propeller sind gebucht. Heute haben wir erfahren, dass der Propeller in Rekordzeit bereits angekommen ist. Wird er auch passen? Können wir das Schiff somit fertig machen für die Transatlantikpassage?

Bitte drückt uns die Daumen!
Christoph und Angela

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Turbo Summary for our English speaking friends and followers:

We are in Anguilla and wait for our new Gori folding propeller to arrive in Sint Maarten. After we have changed our defect Gori propeller against the fixed propeller in Carriacou in November, it turned out after in-depth research that neither the gear box nor the shaft bearing are made for a continuous turning of the shaft while sailing which is the case with a fixed propeller. Blocking of the prop by putting the gear in reverse is not advised by Yanmar. Free turning of the shaft is not advised by the bearing manufacturer ProfiSeal as the cooling systems might be sucked under certain sailing conditions. Our friends Claus and Ulla from SY Soleo, back home in Germany, help a lot with their profound experience in this matter. We are astonished. Why is this prop then on board as the main propeller with no further security alerts? Anyhow…. We need to order a new one from Denmark, as any repair would consume something like 6 weeks with uncertain high costs.

In the Dutch part of St.Martin/Sint Maarten we find a good infrastructure for the coming replacement of the propeller. Unfortunately also the generator fails just at the wrong moment when the washing machine is running. New learnings, not documented in the massive operating manual of Fischer Panda, are added to my life experiences. (Actually, there is a tiny screw in the oil sensor switch with which you can change at which oilpressure the engine is cut.) At the end of the 3 days everything works back again. Angela is happy. So am I. Happy wife, happy life.

On our way from Antigua/Barbuda to St.Maarten we visited St. Kitts & Navis and St.Barth. St. Kitts welcomes 1 Mio cruise ship passengers, which leaves some traces. But still we found wonderful local spots which we could enjoy. An old train train takes us around the island. A very nice experience. Navis belonging to St.Kitts is rather a hide away place with some very elegant hotels built carefully around former plantation farms. Princess Diana had been here sometimes, we learnt.

St.Barth is the place for the rich and the beautiful. Most women probably do know this place reading women magazines. Elegant boutiques, private jets at the airport, megayachts. We rented a quad and explored the island. Also we mixed with the high society in a restaurant next to the spectacular airport.  We looked at latest beach fashions and their beauties wearing it. Amazing.

Arriving in St. Martin shows a very different pictures of the French and the Dutch side. The first one  is rather a graveyard for ships with the impression of no hope no future, whereas the Dutch side shows a quite well working infrastructure with excellent chandleries.

While we explore all these islands the sorrows about Angelas mam keep growing steadily. It is like a grey shadow above us almost every day. Since we had left the seasoned lady in September things have been going not so well. Up and down. Angela’s sister does an outstanding job to keep things moving in the right direction, but she has got her limitations and further challenges in her live. Again and again considers Angela to fly back. Just for a week or two.

We review the past 12 months in many discussions. Angela could recover from her surgeries, we saw a lot of places and met many new people among those we made some true friends. We have been expanding our horizons looking at the West European coast, Canary Islands, Cap Verdes, the Westindies and the ocean and very specifically also looking at ourselves. But, and very unfortunately, we have had to experience hard set backs, system crashes, as we called it in my past professional live. These crashes included valuable learnings for us but also did cost resources. Looking ahead the sorrows about Angelas mam will not go away. We feel we want to be closer if time comes that we need to be present.

Therefore, after many considerations, we took the final decision to reboot our entire system. „Reboot tut immer gut“ translates easily into „Reboot is always good“, which is the headline of this article. So we will reboot our systems sailing eastbound back to Europe with the first suitable weather windows in May. Having arrived  we will restart our systems there, but differently.  Europe, Mediterrenean Sea, West coast or Northern areas, they are all of interest to be explored by sailboat. We will see. But we will be closer to Germany with quick flights just in case we need to be there.

End of the week we will be returning to St.Maarten to install the new propeller. Please keep your fingers crossed that everything works ok. We need to prepare for the transatlantic passage.

Christoph and Angela

2 replies »

  1. Liebe Angela, lieber Christoph, danke für den – wie immer – fesselnden Beitrag! Und wie sehr können wir Eure Reboot-Gedanken nachvollziehen. Es wäre richtig schön, Euch im Mittelmeer mal wiederzusehen. Aber wohin es Euch auch treibt, habt eine gute und sichere Reise zurück nach Europa! Für Tipps und Hinweise sind wir immer ansprechbar, wenn Ihr das braucht oder wollt. Alles Liebe, viel Spass noch vor Ort und natürlich halten wir die Daumen bezüglich Propeller!!! Sibylle & Burkhard

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